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Thema -  Launiges und Wissenswertes aus der Antike

Eine kleine lateinische Revision zum Revisor  

Die gute alte VIDEO-Kassette hat schon fast ausgedient. Schade, bedeutet doch VIDEO „ich sehe“! Aber mit der VISA-Card zahlen wir alle doch recht häufig, also auf Deutsch mit der „Gesehen-Card“.  Manche von uns haben vielleicht auch VISIONEN und „sehen“ daher einiges vor ihrem geistigen Auge. Wenn wir nun ein lateinisches PRO vor das Sehen stellen, gelangt man zur PROVISION, zum PROVISORIUM und zum PROVISOR, wörtlich zu einem „Vorausseher“.

Das lateinischen RE bewirkt das Gegenteil: Wir REVIDIEREN vielleicht unsere Meinung, „sehen“ sie mit einem kritischen Auge noch einmal und gelangen über die REVISION zum REVISOR, einem der alles genau „nachsieht und noch einmal ansieht“.

Latein ist eine praktische Sprache: Ein Grundwort „VIDERE – SEHEN“ gekoppelt mit verschiedenen Vorsilben ergibt eine Menge an „gelehrten Fremdworten“.

Dieses System lässt sich vielfältig anwenden und so gelangen wir spielerisch zur KORRUPTION.

KORRUPTION IST EIN LATEINISCHES WORT

Unsere KORRUPTION kommt direkt aus dem Lateinischen. Vom Verbum CORRUMPERE  geht alles Schlechte, das dieses Wort bedeuten kann, aus.

Eine kleine Kostprobe gefällig? 

verderben – vernichten – vereiteln – verscherzen – verschlechtern – verfälschen – verhunzen – verdrehen – entstellen –entweihen – entehren – herabwürdigen – schänden – zerrütten  

Insbesondere aber jemanden durch irgendein Mittel zu einer unrechten Handlung verführen und verleiten und durch Geld etc. bestechen.

Das Grundwort der Korruption ist das Verbum RUMPERE, mit dem das Lateinische viele weitere Verben herstellen kann.

Das bewährte Rezept: Man nehme verschiedene Vorsilben und mache daraus z.B. folgende Verben

 rumpere: brechen, abrumpere: abbrechen, erumpere: hervorbrechen, interrumpre: unterbrechen, introrumpere: einbrechen.

irrumpere: einbrechen, praerumpere: vorbrechen, perrumpere: durchbrechen, prorumpere: hervorbrechen

„Korrupter Humor“  

Wenn wir an Humor denken, sehen wir einen fröhlichen  Menschen vor uns, der sein Umfeld heiter betrachtet. Das lateinische Grundwort HUMOR bezeichnet jedoch in erster Linie FLÜSSIGKEIT. In der Antike war man nämlich der Meinung, wenn die Körpersäfte in einer richtigen Mischung vorhanden sind, ist der Mensch gut gelaunt.

Ein antiker Historiker, der uns viele Informationen über unsere Vorfahren lieferte, war TACITUS mit seiner GERMANIA.

Und in dieser GERMANIA geht es manchmal auch um die Bezeichnung KORRUPT.

 So erfahren wir, dass die Germanen gerne ein Getränk aus Gerste und Getreide zu sich nahmen, dass zu einer gewissen Ähnlichkeit von Wein CORRUPTUS, also „verdorben“ oder „vergoren“ war.

Potui humor ex hordeo aut frumento, in quandam similitudinem vini corruptus:

(Tacitus Germania 23)

 Servius, ein anderer römischer Autor gibt uns die Auflösung:

potionis genus est, quod cervisia nominatur.

Dieses Getränk wird CERVISIA, also BIER, genannt.

KORRUPT im Zusammenhang mit Speisen oder Getränken bedeutete in der Antike etwas mit künstlichen Mitteln, mit Kunst ARS“ verändern. So behauptet Seneca, der Philosoph und Erzieher des Kaisers Nero: „Wenn der natürliche Geschmack der Speisen nicht gefällt, wird er  mit künstlichen Mitteln verändert“

cibo per artem voluptatemque corrupto

(Seneca ep. 95, 15)

Auch Petronius Arbiter, der Autor des Schelmenromanes Satyricon, behauptet,

dass kein Fleisch von sich aus schmecke, außer es werde durch künstliche Mittel verändert.

neque enim ulla caro per se placet, sed arte  quadam corrumpitur.

(Petron 141)

 Aber auch heute noch gibt es z.B. für den Messwein im katholischen Kirchenrecht die kurze und knappe lateinische Ausgangsnorm.

Vinum debet esse naturale de genimine vitis et non corruptum.

(Can 924 §3)

Der Wein muss naturrein und aus Weintrauben gewonnen sein und darf nicht verdorben sein.

Sollte der Wein aber doch einmal korrupt, also nicht mehr ganz in Ordnung sein, versuchen Sie doch einmal folgendes Rezept, dass der Römer Cato uns in seinem Werk „de re rustica“ überliefert hat.

Wenn ein Tier in den Most gefallen und ertrunken ist

Wenn eine Schlange, eine Maus oder eine Spitzmaus in den Most gefallen ist, ist so zu verfahren, damit dies dem Wein keinen schlechten Geschmack gibt: So, wie der Kadaver gefunden wurde, soll er im Feuer verbrannt, seine Asche abgekühlt in das Gefäß, in das das Tier gefallen ist, gestreut und mit einem Holzlöffel eingerührt werden. Das wird Abhilfe schaffen.“

.SI QVOD ANIMAL IN MVSTVM CECIDERIT ET INTERIERIT.
Si serpens aut mus sorexve in mustum ceciderit, ne mali odoris vinum faciat, ita, ut repertum corpus fuerit, id igne adoleatur cinisque eius in vas, quo deciderat, frigidus infundatur atque rutabulo ligneo permisceatur. Ea res erit remedio.

 

Nichts desto trotz PROSIT, also „es möge nützen“ wie auch immer! 

Texte: Renate Glas

http://www.amici-online.eu/de/index.htm

 

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