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WISSENSWERTES UND PIKANTES VON DEN ALTEN RÖMERN

 Die Thematik der in unserem Stück behandelten Oper „Romulus und Ersilia“ des Dichters Metastasio  (1698 -1782) beruht auf einer römischen Sage:

Die gehört schon mir!

Der Raub der Sabinerinnen

 In der Anfangszeit der Stadt Rom herrschte akuter Frauenmangel, so kam Romulus auf die Idee die benachbarten Sabiner einzuladen und dann – wenn die Gelegenheit günstig wäre – ihre Frauen zu rauben. Gesagt, getan. Für sich wählte er Hersilia aus. Anfänglich hatten die Sabinerinnen keine große Freude mit ihren Männern, aber als die Sabiner nach drei Jahren auf die Idee kamen nun ihre Frauen wieder zurück zu holen, weigerten sich diese. Hersilia stellte sich zwischen die kämpfenden Sabiner und Römer und sprach:  „Jetzt, wo wir durch die allerheiligsten Ketten an die Römer gebunden sind, kommt ihr, um Frauen ihren Ehemännern zu nehmen, und Mütter ihren Kindern. Die Hilfe, die ihr uns jetzt geben wollt, ist uns tausendmal schmerzhafter als die Verlassenheit, in der ihr uns gelassen habt, als wir geraubt wurden.“ (Plutarch) Gerührt von diesen Worten, ließen die Kämpfer ihre Waffen fallen; der Krieg war abgewendet.

Ende gut, alles gut  Zu guter Letzt wird aus Romulus durch die Hilfe seines Vaters, des Kriegsgottes Mars, der Gott Quirinus. Da aber Hersilia, seine Frau, ihren Romulus so sehr beweinte, erbarmte sich die Göttermutter Iuno und ermöglichte auch die Apotheose der Hersilia. Die Götterbotin Iris begleitet die Frau, die Romulus einst beim sagenhaften Raub der Sabinerinnen für sich gewonnen hatte, in den Himmel, wo sie als „Hora“ Göttin der Stunde für immer bei ihrem Romulus alias Quirinus weilen durfte.  

 Romulus (links) mit seinem Zwilling Remus im zarten Kindesalter

  Rom & Romulus  - Gross & Klein Der große Romulus , der Gründer des mächtigen Rom, ist seinem Namen nach eigentlich ein „Kleiner“! Macht doch der Lateiner mit der Nachsilbe – ulus z. B. aus einer großen Brücke „pons“ein kleines Brücklein „ponticulus“ oder aus einem großen Bett „lectus“ ein kleines Bettlein „lectulus“.  Auch „parvus“ klein kann durch –ulus noch kleiner werden, also „parvulus“ ganz klein. 

 

DAS Wildschwein, ein interessantes Nebenprodukt

Grunz Grunz

 

Rächer mit dem Wildschwein

Venus, die Göttin der Liebe, verliebte sich sehr zum Missfallen des Kriegsgottes Mars in einen sterblichen, wunderschönen jungen Mann Adonis.

Aber was ein richtiger Kriegsgott ist, lässt sich so etwas nicht widerspruchslos gefallen. Da kommt ihm ein Wildschwein gerade recht. Venus hatte Adonis zwar vor den „saetigeri sues“ den borstentragenden Schweine gewarnt:

 fulmen habent acres in aduncis dentibus apri (Ovid, met. X 550)

Den Blitzstrahl haben die wilden Eber in ihren krummen Hauern.

Adonis begab sich jedoch trotzdem auf die Jagd und da passierte es:

Hunde hatten ein Wildschwein aus seinem Lager gejagt und als es das Dickicht verlassen wollte, stieß ihm Adonis den Speer in die Seite. Aber lassen wir Ovid weitererzählen:

protinus excussit pando venabula rostro

sanguine tincta suo trepidumque et tuta petentem

trux aper insequitur totosque sub inguine dentes

abdidit et fulva moribundum stravit harena.

(Ovid met. X 713 ff.)

Schnell riss das Wildschwein mit seinem krummen Rüssel den Jagdspieß, der rot von seinem Blut war, heraus; Adonis erschrickt und will sich in Sicherheit bringen, aber das wütende Wildschwein setzt ihm nach, schlägt ihm die Hauer tief in den Leib und streckt ihn todeswund auf den gelben Sand.

So tragisch das Ende des Traummannes der Liebesgöttin auch war, so bot es doch

Rosige Aussichten

So soll aus jedem Blutstropfen, den Adonis vergoss, das Adonisröschen, die Anemone, entstanden sein und aus den Tränen der Venus eine weiße Rose gewachsen sein.

 

Was Adonis nicht schaffte, gelang dem Paradeintellektuellen und Mann von Welt, Plinius: Er fing gleich drei Prachtexemplare von Wildschweinen.

 

Schreibtischjäger

 Die Lieblingsbeschäftigung des Plinius war das Schreiben von Briefen und von Anstrengung bei körperlicher Betätigung hielt er nicht besonders viel. Doch schreibt er seinem Freund, dem großen Historiker Tacitus:

 

C. Plinius grüßt Tacitus

Du wirst lachen, und Du darfst auch lachen: Ich, der Plinius, den Du kennst, habe drei Eber erlegt, und zwar sehr schöne. "Selbst?", sagst Du. Selbst! Doch so, dass ich dabei nicht gänzlich auf meine Bequemlichkeit und Ruhe verzichtete. Ich saß an den Netzen, aber in nächster Nähe hatte ich keinen Jagdspieß und auch keine Lanze, sondern Griffel und Wachstäfelchen; ich dachte über irgendetwas nach und machte mir Notizen, um, wenn schon leere Händen, doch jedenfalls volle Tafeln nach Hause zurückzubringen.

Es gibt keinen Grund, dass Du diese Art des Studierens gering schätzt; es ist erstaunlich, wie der Geist durch körperliche Tätigkeit und Bewegung angeregt wird; dazu ringsum der Wald und die Einsamkeit und überhaupt die lautlose Stille, wie die Jagd sie erfordert: das sind starke Anregungen für das Nachdenken.

Daher  wenn Du auf die Jagd gehst, nimm auf meinen Rat neben Brotkorb und Feldflasche ruhig auch die Schreibtafel mit; Du wirst die Erfahrung machen, dass Minerva, die Göttin der Weisheit, sich nicht weniger als Diana, die Göttin der Jagd, in den Bergen tummelt.

Leb wohl!

 

Plinius, der legendäre Wildschweinjäger

 

Und so klingt die Geschichte über die seltsame Wildschweinjagd des römischen Intellektuellen im Original:

 

C.Plinius Tacito suo s.

Ridebis, et licet rideas, ego ille, quem nosti, apros tres et quidem pulcherrimos cepi.

„ipse?“ inquis. ipse, non tamen ut omnino ab inertia mea et quiete discederem.

ad retia sedebam; erat in proximo non venabulum aut lancea, sed stilus et pugillares;

meditabar aliquid enotabamque, ut, si manus vacuas, plenas tamen ceras reportarem.

Non est, quod contemnas  hoc studendi genus; mirum est, ut animus agitatione motuque corporis excitetur; iam undique silvae et solitudo ipsumque illud silentium, quod venationi datur, magna cogitatonis incitamenta sunt.

Proinde, cum venabere, licebit auctore meo ut panarium et lagunculam sic etiam pugillares feras; experieris non Dianam magis montibus quam Minervam inerrare.

Vale.

(Pllinius I,6)

 

 

Einmal Wildschwein, immer Wildschwein???     

Wildschwein in vielfältiger Zubereitung wurde sehr gerne gegessen. Bevorzugt wurden allerdings Wildschweine, die sich vorwiegend von Eicheln ernährten. Die Nachfrage war sehr groß, sodass die Jagd nicht mehr ausreichte, um den gesamten Wildschweinbedarf verwöhnter und reicher Römer zu erfüllen. So erfand Fulvius Lupinus die Haltung von Wildschweinen in großen Gehegen, sodass die römischen Feinschmecker fast durchgehend zartes, eichelgefüttertes Wildschwein genießen konnten.

 

Recipe et fac!  - Nimm und bereite zu!

Apicius, dem Kochbuchautor der Antike, verdanken wir einige Tipps zur Zubereitung von Wildschweinen. Gebraten, gekocht, im Ofen gebacken,  auf jeden Fall aber mariniert mit Salz, Kümmel und Öl.  

Aliter in apro: aqua marina cum ramulis lauri aprum elixas quousque manescat. Corium ei tolles, cum sale, sinapi, aceto infere. (Apic. 8,1,2).

 

Eine andere Art der Wildschweinzubereitung: Koche das Tier in Meerwasser mit Zweigen von Lorbeer bis es gar ist. Entferne die Haut und serviere mit Salz, Senf und Essig.

 

Exquisiter Wildschweinbraten

Wie man stilvoll, wenn auch “snobistisch” Wildscheinbraten zubereiten und servieren kann, schildert uns Petron in seinem Roman Satyricon, (1969 verfilmt von Federico Fellini als “Fellinis Styricon”) wo der dekadente neureiche Trimalchio Wildschwein nicht “a la nature” auftischen lässt.

….Schließlich kamen Diener und breiteten Decken über den Liegen aus, auf denen Netze abgebildet waren und Jäger mit Jagdspießen und alle Accessoires einer Jagd.  Wir hatten noch keine Ahnung, was wir zu erwarten hätten, als sich außerhalb des Speisezimmers ein gewaltiger Lärm erhob und, man sehe und staune, sich lakonische Jagdhunde sogar um den Tisch zu verteilen begannen. Ihnen folgte ein Tafelaufsatz, auf dem ein Wildschwein erster Größe lag, … Ringsum aber gaben kleine, aus Stoßteig hart gebackene Frischlinge, dadurch, dass sie gleichsam zu den Eutern drängten, zu erkennen, dass hier ihre Muttersau lag. Diese jedenfalls waren Tafelgeschenke zum Mitnehmen. Übrigens kam zum Tranchieren des Wildschweins nicht jener Trancheur, der das Mastgeflügel zerlegt hatte, sondern ein riesiger Bartträger mit Riemen umwundenen Beinen und einem Zipfelmantel aus Damast. Er zückte ein Jagdmesser und stieß es kräftig in die Flanke des Ebers, so dass aus seiner Wunde Drosseln aufflogen. Vogelsteller standen mit ihren Ruten bereit und fingen sie, obwohl sie im Speisezimmer herum flatterten, im Handumdrehen. Dann ließ Trimalchio jedem seine eigene bringen und sagte dazu: "Seht nur, welch köstliche Eichel dieses Schwarzwild verzehrt hat!"

 

Wildschwein a la Obelix

Die beliebteste Zubereitungsmethode war aber auch in Rom Wildschwein an einem großen Spieß über dem offenen Feuer zu braten. Obelix und Asterix schätzten wie alle antiken Kelten die männliche Kraft und Mut des starken und angriffslustigen Tieres. Sie bildeten die Wildschweine gerne auf Münzen, Helmen und Schilden ab. In der Comicserie Asterix und Obelix entdecken wir ein einziges Mal eine Szene mit einem Schwein, die ein wenig auf dessen symbolische Bedeutung anspielen könnte. In "Asterix bei den Olympischen Spielen" sitzt ein Wildschwein als eine Art Maskottchen mitten unter den Dorfbewohnern auf der Tribüne und wird so gleichzeitig in den Rang eines Repräsentanten der keltischen Kultur erhoben.

 

  

 Dank an Renate Glas

und Ines Leitsoni (Illustrationen)

 Verein AMICI LINGUAE LATINAE  

http://www.amici-online.eu 

 

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