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Latein in allen Lebenslagen

Zum Thema - Launiges und Wissenswertes aus der Antike

VOLO – NOLO

(Ich will – Ich will nicht)

Lateinische Heiratsgeschichten

Der Philosoph Sokrates, dessen Frau Xanthippe auch heute noch der Inbegriff einer übellaunigen und streitsüchtigen Frau ist, soll auf die Frage, ob man heiraten soll, folgende Antworten gegeben haben: „Heirate auf jeden Fall! Wenn du eine gute Frau bekommst, wirst du glücklich. Wenn du eine schlechte Frau bekommst, wirst du Philosoph, und auch das ist für einen Mann von Nutzen.“ „Heirate oder heirate nicht! Was du auch tust, du wirst beides bereuen.“

Über Sokrates und Xanthippe sind viele Anekdoten überliefert. Als Alkibiades, ein berühmter Athener und Freund des Sokrates, den Philosophen fragte, warum er seine zänkische Frau nicht aus dem Haus werfe, meinte Sokrates, durch den ständigen Umgang mit der Streitsucht seiner Frau könne er die Unmäßigkeit aller anderen leichter ertragen.

Ein anderes Mal hatte Xanthippe nach einem Streit Sokrates aus dem Haus geworfen. Der setzte sich ruhig vor sein Haus und wartete auf das Vorübergehen der üblen Laune seiner Frau. Das machte Xanthippe noch zorniger. Sie ging ins Schlafzimmer, öffnete das Fenster und leerte den Inhalt des Nachttopfes über ihren Mann. Die Nachbarn und Passanten waren verwundert und empört, doch Sokrates meinte nur, dass nach dem Donner doch meistens ein Regen folge.

Jahrhunderte später äußerte sich ein Konsul über die Institution der Ehe in einer Art, wie es heutzutage wohl kein Politiker wagen würde. Der Konsul Metellus Numidius wollte die Römer auffordern zu heiraten und sagte: „Wenn wir ohne Frauen sein könnten, Bürger von Rom, würden wir alle die Unannehmlichkeiten einer Ehe entbehren. Aber weil die Natur es so eingerichtet hat, dass man weder mit den Frauen bequem genug noch ohne Frauen auf gute Art leben kann, muss man ehr auf das Wohl eines immerwährenden Staates schauen als auf eine kurze Lustbefriedigung.“

(Gellius, Noctes Atticae I,6,1)

 Ideale Frau – Idealer Mann

Heiraten in der Antike hatte sehr selten mit Liebe zu tun. Gesellschaftliche und soziale Gründe sowie legitime Nachkommen standen eher im Mittelpunkt des Interesses. Von Plinius, einem vornehmen Römer und begeistertem Briefeschreiber, erfahren wir, nach welchen Kriterien er sich nach einem passenden Ehemann für die Tochter des Bruders eines Bekannten umgesehen hat.

Interessant ist die Reihenfolge der Aufzählung der interessanten Details rund um den zukünftigen Heiratskandidaten: Seine Heimatstadt – sein Vater – seine Großmutter – sein Onkel – politische Stellung des zukünftigen Ehemannes, seine Finanzen und am Rande erwähnt erst sein Aussehen.  

„Du bittest mich, dass ich mich einem Mann für die Tochter deines Bruders umsehe; zu Recht überträgst du mir diese Aufgabe, da ich diesen Mann sehr bewundert und geschätzt habe, …Nichts Wichtigeres, nichts Angenehmeres hättest du  mir übertragen können, nichts Ehrenvolleres hätte von mir übernommen werden können, als dass ich einen jungen Mann aussuchen kann, der es wert wäre, deinem Bruder Enkel zu schenken. Einen solchen Mann hätte man aber lange suchen müssen, wenn nicht Minicius Acilianus bereit stünde und gleichsam vorherbestimmt wäre. Er liebt mich auf freundschaftlichste Arte wie ein junger Mann einen anderen jungen Mann – er ist nämlich nur ein paar Jahre jünger – und verehrt mich dennoch wie einen Greis. …Seine Heimatstadt ist Brixia in jenem Teil unseres Italiens, der noch heute viel von jener alten Bescheidenheit, Sparsamkeit und auch ländlichen Einfachheit besitzt und bewahrt. Sein Vater ist Minicius Macrinus, der erste Mann im Ritterstand, weil er nicht höher hinaus wollte; … Seine Großmutter müttlicherseits ist Serrana Procula aus der Landstadt Patavium. Du kennst die Sitten dieses Ortes: Serrana aber ist sogar unter den Patavinern ein Vorbild für Sittenstrenge; In P. Acilius hat Acilianus einen Onkel von fast einzigartiger Charakterstärke, Klugheit und Gewissenhaftigkeit. In Summe, in seinem ganzen Haus wird es nichts geben, was dir nicht ebenso wie in Deinem gefiele. Er selbst aber besitzt bei größter Bescheidenheit sehr viel Tatkraft und Fleiß. Quästur, Tribunat und Prätur hat er bereits er sehr ehrenvoll durchlaufen und er erspart dir nun die Notwendigkeit, Dich für ihn einzusetzen. Er hat ein edles Gesicht, das von kräftiger blutvoller Röte durchzogen ist. Seine Gestalt zeigt eine angeborene natürliche Schönheit und sozusagen eine senatorische Würde. Dies sind Vorzüge, die man, wie ich glaube, keinesfalls geringschätzen sollte: denn solches muss quasi als Belohnung für die Tugend der  Mädchen gegeben werden. Ich weiß nicht, ob ich noch hinzufügen soll, dass sein Vater reiche Geldmittel besitzt. Denn wenn ich mir vorstelle, dass ihr es seid, für die ich einen Schwiegersohn suche, dann glaube ich über seine Finanzen schweigen zu dürfen; schaue ich aber auf die Gesetze des Staates, die sogar in erster Linie auf das Vermögen schauen, so meine ich, diesen Punkt doch berücksichtigen zu müssen. Ja gewiss doch: wenn man an die Nachkommen, und zwar an zahlreiche denkt, so muss auch dies bei der Auswahl des Heiratskandidaten in Betracht gezogen werden. Vielleicht glaubst du, ich hätte meiner Sympathie für ihn zu sehr nachgegeben und alles mehr hervorgehoben, als es die Sache zulässt. Aber ich gebe dir mein Wort, dass du alles weitaus prächtiger antreffen wirst, als ich es gepriesen habe. Natürlich schätze ich den jungen Mann auf höchste, wie er es verdient, aber gerade auch dies ist ein Merkmal der Liebe, ihn nicht mit Lob zu überhäufen.“

  Ideale Ehefrau gefunden

Plinius selbst war mehrmals verheiratet. Erst in seiner dritten Ehefrau dürfte er seine ideale Frau gefunden haben. Diese Verbindung verdankt er seiner Tante, der er in einem Brief geradezu überschwänglich für ihre Vermittlung dankt. Was begeistert Plinius so sehr an seiner Ehefrau? Sie ist klug und doch anspruchslos, sie liebt den Beruf ihres Mannes, sie lernt seine Werke auswendig, sie zeigt Interesse an seinen Tätigkeiten, steht stets im Hintergrund und liebt nicht das Aussehen ihres Mannes, sondern seinen Ruhm … 

„Da Du ein Muster an Verwandtenliebe bist und Deinem besten, Dir herzlich verbundenen Bruder mit gleicher Zuneigung zugetan bist, da Du seine Tochter wie die eigene liebst und ihr nicht nur die Gefühle einer Tante entgegenbringst, sondern ihr geradezu den verlorenen Vater ersetzt, wirst Du ohne Zweifel mit besonderer Freude hören, dass sie sich ihres Vaters, Deiner selbst und ihres Großvaters würdig erweist. Sie hat sehr viel Verstand, ist äußerst anspruchslos; sie liebt mich, was ein Zeichen für ihre Unverdorbenheit ist. Dazu kommt ihr Interesse für Literatur, das sie aus Liebe zu mir gewonnen hat. Sie besitzt meine Schriften, liest sie eifrig und lernt sie sogar auswendig. Welche Aufregung und Besorgnis, wenn sie sieht, dass ich als Redner vor Gericht auftreten werde, welche Freude, wenn ich es hinter mir habe! Sie beauftragt Leute, die ihr melden müssen, ob ich Zustimmung, ob ich Beifall gefunden habe, welchen Ausgang des Prozesses ich heimbringe. Ebenso sitzt sie, wenn ich einmal rezitiere, ganz in meiner Nähe, nur durch einen Vorhang von mir getrennt, und hört mit begierigen Ohren mein Lob. Sie singt auch meine Lieder und begleitet sie auf der Kithara ganz ohne Unterweisung durch einen Musiker, sondern einfach aus Liebe, die doch die beste Lehrmeisterin ist. Aus all diesen Gründen hoffe ich zuversichtlich, dass unser Einvernehmen ewig dauern und von Tag zu Tag zunehmen wird. Denn sie liebt nicht meine Jugend oder meine Gestalt,- das alles altert und vergeht -, sondern sie liebt meinen Ruhm. Denn nichts anderes ziemt sich für eine unter Deinen Händen Aufgewachsene, durch Deine Lehren Unterwiesene, die doch im Umgang mit Dir nur Tugendhaftigkeit und Ehrbarkeit gesehen, die schließlich auf Grunde deiner Empfehlung mich zu lieben gelernt hat. Denn da Du meine Mutter wie Deine eigene verehrtest, pflegtest du mich gleich von Kindheit an zu formen und anzuspornen und  mich als den Mann anzukündigen, als der ich nun meiner Frau erscheine. Darum danken wir Dir um die Wette, ich, dass Du sie mir, sie, das Du mich ihr gegeben hast, als hättest Du uns füreinander bestimmt. Leb' wohl!

 

 Vom bissigen Epigrammatiker Martial erfahren wir jedoch auch andere Hintergründe für einen idealen Ehepartner:

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Wie man reich werden kann

 Septima iam, Phileros, tibi conditur uxor in agro.  Plus nulli, Phileros, quam tibi redditur ager.

(Martial X 43)

Schon die siebente Ehefrau trägst du, Phileros, auf deinem Land zu Grabe. Keinem, Phileros, bringt das Land mehr ein als dir.

 ***** 

Petit Gemellus nuptias Maronillae

et cupit et instat et precatur et donat.

Adeone pulchra est? immo foedius nil est.

Quid ergo in illa petitur et placet? Tussit.

(Martial I 10)

 *****

Gemellus strebt eine Ehe mit Maronilla an

und er begehrt, bedrängt, bittet und beschenkt sie.

Ist sie so schön? Im Gegenteil, keine ist hässlicher als sie.

Was macht sie dann so begehrenswert und was gefällt so an ihr? SIE HUSTET.

 *****

Nubere Paula cupit nobis, ego ducere Paulam

   nolo: anus est. Vellem, si magis esset anus.

(Martial X 8)

Paula wünscht mich zu heiraten, ich möchte Paula nicht heiraten.

Sie ist eine alte Frau. Ich wollte schon, wenn sie noch älter wäre.

 

Zwei kluge Einstellungen zu einer möglichen Heirat

 Nubere vis Prisco: Non miror, Paula. sapisti.    ducere te non vult Priscus: et ille sapit.

(Martial IX 10)

 Du willst Priscus heiraten: das wundert mich nicht, Paula, du bist klug. Priscus will dich aber nicht heiraten: auch er ist klug.

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Uxorem quare locupletem ducere nolim

   quaeristis? uxori nubere nolo meae.

inferior matrona suo sit, Prisce, marito:

   non aliter fiunt femina virque pares.

(Martial VIII, 12)

 Warum ich keine reiche Frau heiraten will, fragt ihr?

Ich will nicht von meiner Frau geheiratet werden,

Die Ehefrau soll ihrem Mann, Priscus, untergeordnet sein:

anders werden Mann und Frau nicht gleich.

 

Hochzeitseinladungen und ihre Folgen

Das ideale Paar hat sich gefunden, der Heirat ist beschlossen, die Hochzeit steht vor der Tür. Der Stress der Vorbereitungen beginnt, was trägt die Braut, wo findet die Hochzeitstafel statt, wer wird eingeladen und wer besser nicht.

So erging es auch dem Brautpaar Peleus und Thetis, den späteren Eltern des griechischen Helden Achill. Sie luden alle Götter und Göttinnen zu ihrer Hochzeit ein, alle bis auf ERIS oder DISCORDIA, die Göttin des Streites und der Zwietracht. Diese wiederum kam trotzdem und warf einen Apfel mit der Aufschrift „für die Schönste“ in die Hochzeitsgesellschaft. Jupiter, der Göttervater, hätte galanterweise der Braut den Apfel überreichen können, aber er drückte sich vor einer Entscheidung und überließ die Wahl Paris, dem schönen trojanischen Prinzen, und so kam es zur ersten Schönheitskonkurrenz oder Misswahl der Antike. Keine Geringeren als Iuno, die Göttin der Ehe, Minerva die Göttin der Weisheit, und schließlich Venus, die Göttin der Liebe wollten diesen Titel mit allen Mitteln erringen. Paris jedoch fiel es äußerst schwer ein Urteil zu fällen: Anscheinend war keine der drei genannten göttlichen Damen augenfällig die Schönste! So mussten sich die Göttinnen anders helfen und griffen daher – wie solls man wohl am besten sagen – zu einem „bestechend lohnenden“ Versprechen, um den Jüngling die Entscheidung so einfach wie möglich zu machen: Iuno versprach im Macht, Minerva Weisheit, Venus aber,  dass sie ihm Helena, die Schönste aller Frauen, zur Ehe geben werde. Paris zog das letztgenannte Geschenk den Erstgenannten vor und urteilte, dass Venus die Schönste sei.

Die erste Schönheitskonkurrenz war damit entschieden und der Anlass für den trojanischen Krieg gegeben, war doch Helena mit Menelaos, dem König von Sparta, verheiratet, der sich die Entführung seiner Frau nicht so einfach gefallen lassen wollte…

 

Ein kleines Wortspiel gefällig?

 MALUM MALUM

 Ein lateinisches MALUM des Wortspieles MALUM MALUM kennen leider einige von uns aus dem Versicherungsgrundsatz BONUS MALUS System.

BONUS bedeutet GUT, denken wir nur an das süße BONBON, also ein GUTGUT, oder an BONA, das GUTöl.

MALUS ist das Gegenteil, also SCHLECHT. Dieses lateinische Wort begegnet uns auch im MALHEUR (malum augurium: schlechtes Vorzeichen), der MALARIA (mala aer: schlechte (Sumpf)luft) oder im MALTRÄTIEREN (male tractare: schlecht behandeln).

Das zweite MALUM bedeutet Apfel und ist im Italienischen noch als mela zu finden.

Also ist ein MALUM MALUM ein schlechter Apfel oder eben der Zankapfel, die Ursache der ersten Schönheitswahl.

 

  TRADITIONELLES

 Was wäre eine Hochzeit ohne Ringe? Der Ring war und ist ein Symbol der Unendlichkeit. Als Trauring wurde er im antiken Rom allerdings nur von der Frau getragen und zwar am Ringfinger der linken Hand. Man glaubte, dass von diesem Finger eine Ader direkt zum Herzen und damit zur Liebe führte. Während man heutzutage gerne den Namen des Partners und das Hochzeitsdatum (damit man es nicht vergisst?!) eingraviert, war früher die Inschrift „pignus amoris habes - du hast meiner Liebe Pfand“ beliebt. 

Nicht mehr ganz so beliebt ist der Brauch die Braut über die Schwelle zu tragen. Diese Tradition stammt ebenfalls aus dem antiken Rom. Die Römer waren ja sehr abergläubisch und meinten, wenn die Braut aus Nervosität über die Schwelle stolperte, wäre das kein gutes Omen

 

Und da sind wir schon beim

FASZINIERENDEN LATEIN

  oder

 ZAUBERHAFTEN LATEIN

angelangt.

Faszination und faszinieren haben ihren Ursprung im lateinischen

FASCINARE

(beschreien, behexen).

Sollte es also einmal nicht ganz so einfach mit der Liebe klappen, kann man es ja mit einem Liebeszauber probieren.

 Der Legende nach soll sich Venus über die Reinheit und Unschuld der Königslilie so geärgert haben,

dass sie  ihr einen großen, keulenförmigen Stempel einpflanzte, der an den Phallus eines brünstigen Esels erinnert.

Deshalb wurde sie als Symbol der duftenden Scham der Liebesgöttin geweiht. Sammelte man die Madonnenlilie, während Venus mit dem Mond im Sternzeichen des Stieres oder der Waage stand, so war sie ein vorzügliches Mittel, um die Liebe eines weiblichen Wesens zu erlangen und wurde dementsprechend als Liebeszaubermittel und in Liebestränken verwendet. Wusch sich eine Frau mit Liliensaft, vermischt mit Dorantextrakt, so blieb sie lange jung und schön. 

 

Eingekritzelt in eine Hauswand in Pompeji wurde folgender Liebeszauber:

 Uratur Sucessa, aduratur amore et desiderio Sucessi. ( CIL VIII 12507)

Successa möge vor Liebe vergehen, sie möge vor Leidenschaft und Sehnsucht nach Successus vergehen.

Überliefert ist auch folgender römischer Liebeszauber, in dem Dämonen zu Hilfe gerufen werden:

 Alimbeu, Columbeu, Petalimeu, faciatis Victoriam, quam peperit Suavulva, amantem, furentem prae amore meo, neque somnum videat, donec ad me veniat, puellarum deliciae.

Alimbeu, Columbeu, Petalimeu, macht die Viktoria, Tochter der Suavulva, verliebt, rasend vor Liebe zu mir,

und möge sie, bis sie zu mir kommt, keinen Schlaf finden, die Lieblichste unter den Mädchen.

 

Der Schluss des Liebeszaubers ist ein

Kompliment.

Geht man dem Kompliment auf die lateinische Wurzel dann füllt man praktisch etwas an, denken wir nur an unsere Bezeichnung komplett.

Ein kleines Angebot an antiken Komplimenten gefällig? Doch Vorsicht, nicht alle sind eins zu eins zu übernehmen. „boopis – kuhäugig“ galt früher als eines der schönsten Komplimente, die man einer Frau machen konnte und zu Recht, denkt man an die wunderschönen Augen einer Kuh. Helena, die schönste aller Frauen, trug dieses Attribut, doch wie reagiert eine Frau von heute auf dieses schmückende Beiwort???

Harmloser sind sicher folgende Kosenamen:

pupa (meine Puppe) – pupula (mein Püppchen) – anima dulcis (süße Seele) – lumen (mein Augenstern) – domina (meine Gebieterin) – piscilla (Fischlein) – Venus (meine Venus).

 Das wäre nun charmantes Latein. Denn unser französischer Charme geht auf das lateinische CARMEN zurück. Das bedeutet „Lied, Gedicht“ aber auch „Zauberspruch“ und über den Liebeszauber, sei er nun echt oder durch Zauberei herbeigeführt, hat der Charme seine heutige Bedeutung erhalten.

 Doch wie soll sich der Mann geben, will er Erfolg haben. Ovid gibt in seiner Liebeskunst, der ARS AMATORIA, recht brauchbare Tipps zum Thema. Erfolgreiche Werbung erschöpft sich nicht in blumiger Werbepoesie. Sie setzt auch eine ansprechende Präsentation des „Produkts² voraus. Konkret gesprochen: Wie stellt sich der Liebhaber selbst dar?

Wie bringt er seine Vorzüge zur Geltung?

 

„Mann“ achte auf folgende Kriterien:

VOM REIZ DER MÄNNLICHEN ERSCHEINUNG

WIE PRÄSENTIERT SICH DER ZUKÜNFTIGE EHEMANN?

Haare, Frisur?

Keine Dauerwelle, nicht mit Eisen die Haare kräuseln; gepflegte Frisur, keine schlecht geschnittenen Haare

Beine?

Keine rasierten Beine, nicht die Schenkel mit Bimsstein glätten

Schönheit?

Nachlässig schön sein

Körper?

Sauberer, gebräunter Körper; kein Schweißgeruch, kein „Bock“ unter den Achseln

Kleidung?

Gut sitzender Anzug, fleckenlose, gut sitzende Toga

Schuhe?

Nicht zu große Schuhe, keine vorstehende Schuhlasche

Gesicht?

Gut rasiert, Bart schneiden, keine Haare aus dem Nasenloch, wohlriechender Atem, kein widriger Atem aus übel riechendem Mund

Hände?

Nicht zu lange und schmutzige Fingernägel

 

Wie soll sich nach Ovid die zukünftige Ehefrau präsentieren, damit sie Erfolg hat?

 VOM REIZ DER WEIBLICHEN ERSCHEINUNG

WIE PRÄSENTIERT SICH DIE ZUKÜNFTIGE EHEFRAU?

 Der erste Punkt betrifft das „Gepflegt sein“. Warum? Sorgfalt und Pflege wird den Frauen ein schönes Gesicht geben, vernachlässigt man die Pflege wird auch ein schönes Gesicht hässlich.

Da aber keine Frau ohne Fehler ist, kann „Frau“ bei Ovid nachlesen, wie sie aus einem Minus ein Plus machen kann.

Als kleine Frau soll man eher sitzen, als überschlanke Frau Stoffe aus dichtem Gewebe tragen, als blasse Frau purpurrote Kleidung tragen, als Frau mit hässlichen Beinen diese unter schneeweißem Leder verbergen etc. 

Aber die wichtigsten Ratschläge betreffen das richtige Lachen.

Da meint der Liebesratgeber Ovid:

Anmutiges Lachen ist gefragt, dabei darf „Frau“ den Mund nicht zu weit öffnen, sondern

den Mund nur so weit aufmachen, dass links und rechts die Grübchen zu sehen sind.

Die obere Zahnreihe soll halb von den Lippen verdeckt sein. Auf keinen Fall so laut lachen, dass einem der Bauch vor Lachen weh tut, denn  das Lachen soll weiblich und leicht klingen und nicht so, als ab man weint.

Das Lachen soll nicht rau, unliebenswert und  abstoßend wie das einer Eselin klingen.

Nun Lust aufs Ausprobieren bekommen?

 

 Erotisches Latein

 Der größte und meistgenannte „Kuppler“ der Antike und Moderne ist wohl Amor. Lassen wir ihn persönlich zu Wort kommen:

 „Ich bin der römische Gott der Liebe. Mihi nomen est Amor.

Ich heiße AMOR. Bekannt bin ich auch als CUPIDO.

Die Griechen nannten mich EROS und daher bin ich auch für die Erotik verantwortlich.

 Als AMOR bin ich heute noch für die französiche amour oder die italienische amore zuständig.

Man erkennt mich leicht an Pfeil und Bogen und an meinen Flügeln.

Über meinen wahren Charakter jedoch lässt sich streiten. Für die einen bin ich ein gut gesinnter Helfer in Liebesdingen, für die anderen ein böser kleiner Junge, der Menschen und Göttern gerne Streiche spielt.

Bei meinen Pfeilen kann ich auswählen: ich besitze Gold- und Bleipfeile; die Goldpfeile sind Liebesbringer; wen aber mein Bleipfeil trifft, der erlebt genau das Gegenteil.

 Über meine Eltern kann ich eigentlich nichts ganz Genaues sagen. Meine Mutter ist auf jeden Fall die Göttin der Schönheit und Liebe, Venus oder wie die Griechen sie nannten, Aphrodite.

Mein Vater könnte der Geliebte meiner Mutter, der Kriegsgott Mars sein; manche behaupten aber, ich sei ein Kind des Chaos und der Nacht.

Auch in der Medizin findet man mich. Wenn Sie ihre Oberlippe oder die ihres Nachbarn genau betrachten, dann haben sie am oberen Rand der Oberlippe eine Einkerbung. Die gleicht meinem Bogen, und weil die Lippe auch eine erogene Zone ist, habe ich diesem Bogen meinen Namen gegeben: Amorbogen oder Cupidobogen.“

 

Was wäre die Liebe ohne

VENUS?

Mihi nomen est Venus. Ich bin Venus, die römische Göttin der Schönheit und Liebe, und Mutter dieses jungen Mannes, des Liebesgottes Amor.

Wie sie sehen können, habe ich sicher keine grünen Haare, aber trotzdem bin ich die Namensgeberin für eine der weltweit häufigsten und verbreitesten Farnarten, für den Venushaarfarn oder lateinisch: Adiantum capillus-veneris. Er ist übrigens die einzige Frauenhaarfarnart, die in Europa vorkommt.

 Als LiebesgöttinVenus oder Aphrodite, wie die Griechen mich nennen, hinterließ ich ihnen aber noch andere Gaben.

Wenn Sie sich heute ein Aphrodisiakum besorgen, erhoffen sie sich Hilfe von Aphrodite und zwar in Form eines Pulvers oder einer Salbe, die den Geschlechtstrieb wieder auf Touren bringen soll. Ich selbst brauchte diese Hilfe nicht, denn mein Gürtel kann seine Trägerin unwiderstehlich machen.

Weniger angenehm sind diese zwei Ableitungen meines lateinischen Namens Venus:

Das sind die venerischen Krankheiten, also Geschlechtskrankheiten, und die Venusfliegenfalle, eine Fleisch fressende Pflanze.

 Wenn der Liebesgott höchstpersönlich und seine Mutter nicht hilfreich sein können, wie wäre es dann mit einer Liebespfeilsuppe, die erotische Highlights setzen soll.

Zutaten für 2 Personen:

500 g Tomaten, 1 Schalotte, 1 kleines Bund Suppengrün, 2 EL Öl, 150 ml Gemüsefond, 50 g Creme fraiche, Salz, frisch gemahlener weißer Pfeffer, 1 Prise Zucker

Dezente, dennoch geheimnisvoll kräftige Pfeile der Liebe schicken Sie mit dieser Suppe Richtung Herz Ihres Liebsten.

(entnommen: Thea, Hexenzauber für die Liebe, S.38)

 Theas geheimer Tipp: Liebesmächtige Zutaten muss sie enthalten, die Suppe für den ersten Abend zu zweit: Tomaten als Liebesäpfel, Petersilie und Sellerie im Suppengrün als wichtige Potenzmittel sowie Crème fraiche für die sahnige Sanftheit der neuen Beziehung. Wenn das alles nicht wirken sollte, haben Sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach in den Falschen verguckt. Dann ist alle Liebesmüh – auch aus dem Kochtopf – vergeblich.

 

  DOMINA-ntes Latein

 Wenn die mupti (Eheleute) zur Eheschließung (nuptiae) zum Dom (domus) gehen, achten sie auf die Schwellen (limina) aus einer gewissen Schwellenangst heraus. Denn später beim Betreten des gemeinsamen Hauses (domus) darf die Braut nicht stolpern (labi), sonst ist das ein schlechtes Vorzeichen (prodigium).

Deshalb trägt der Ehemann (maritus) sie über die Schwelle (limen), ohne zu stolpern.

Wenn die domina (die Hausfrau, Ehefrau, Geliebte) den dominum (den Hausherrn, Ehemann, Geliebten) zu dominieren (dominari), der dominus (als Dompteur) allerdings darauf die Ehefrau zu zähmen (domare) versucht, beginnt ein Bemühen um die Herrschaft (dominatio) im Domizil (domus).

Vergessen sind der Brautschleier (flammeum- in flammend-rot wie die aufflammende und alles beherrschende Liebe) mitsamt dem orangen Gewand und der Ring (anulus) als Symbol der Verbundenheit (coniugium:Ehe, coniungere: verbinden, heiraten, coniunx: Ehefrau, Ehemann) und der Treue (fides) der Brautleute.

 

Bald geht es schon um das gegenseitige Domestizieren, ist die Grenze (limes, limitis, dt.: Limit, limitiert) des Erträglichen überschritten, folgt (sequi, Sequenz, Konsequenz), die Ehescheidung (divortium, divorce, divorcer). Bei der Ehescheidung muss allerdings der Mann die Mitgift (dos, dotiert) wieder an die Familie (familia, familiär) der Ehefrau (uxor) zurückzahlen.

( Heike Lohr)

Dank an Mag. Renate Glas sowie Heike Lohr für die Studentinnen und Studenten des Projektstudiums „Alltagsgeschichten“ des Institutes für Klassische Philologie der Karl Franzens Universität Graz

 

http://www.amici-online.eu/de/index.htm

  

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