Latein in allen Lebenslagen

AUS ALT MACH NEU

REZEPT.ION

für 

Komödien

Römisches Rezept für ein schmackhaftes, traditionelles, aber doch neuartiges Gericht:

Man nehme eine oder mehrere griechische Komödien und komponiere aus diesen eine römische Komödie. 

Man lasse den griechischen Hintergrund, passe aber den Witz und die Komik an das römische Publikum an. 

Man verwende bewährte Produkte, wie traditionsbewusste, moralische und geizige Väter, schlaue Sklaven, verliebte junge Männer, edle Hetären, listige Parasiten, füge etwas 

Anagnorisis hinzu, lasse also früher ausgesetzte oder abhandengekommene Kinder „wiedererkannt“ werden und würze kräftig mit Umgangssprache und Schimpfwörtern.

Nach diesem Rezept kochte vor allem Plautus, einer der beiden erfolgreichen römischen Komödiendichter. Terenz, der zweite, verzichtete auf derbe Späße und liebte 

eine fast schon klassische Sprache. Die Themen der daraus entstandenen römischen Komödien sind unpolitisch, die Handlung, meist eine Intrigengeschichte, überschaubar

und ihre Charaktere einfach. Gegensätze stehen im Mittelpunkt.  Die ältere Generation, die auf Besitztum und Einhaltung gesellschaftlicher Normen Wert legt, steht der jüngeren

Generation gegenüber, deren Sinn nach Liebschaften und Vergnügungen steht. Chronischer Geldmangel zwingt die Jungen dazu die Alten zu betrügen und zwar meist mit Hilfe

eines listigen Sklaven oder Parasiten. Die Alten reagieren auf die Intrigen der Jungen wieder mit Gegenintrigen, wobei jeder schlauer sein will als der andere und am Schluss

das Gegenteil einsehen muss.

Armut steht Reichtum gegenüber, Sklaven gegen Bürger, aber weder Armut noch Sklaverei werden als Problem empfunden. 

Römische Komödien bilden jedoch nie die Gesellschaft ihrer Zeit ab; sie führten eine Phantasie und Traumwelt vor,

die den Zuschauer in eine Gegenwelt entführte, die ihn von der ihn umgebenden Wirklichkeit befreite. 

So prellen Hetären ihre Liebhaber und Sklaven betrügen ihre Herren. Sklaven gehören überhaupt zu den Lieblingsfiguren des römischen Publikums. Plautus baut ihre Rolle stark aus und erlaubt ihnen, ihrem Herrn die größten Frechheiten ins

Gesicht zu sagen,

sie zu betrügen und zu bestehlen.

Spannend ist auch die unrealistische Welt der römischen Komödie; die meist in Athen im  Milieu des Alltäglichen, Häuslichen und Familiären spielt, aber mit römischen Lokalitäten

aufwartet. 

Die Personen sind Griechen, rufen aber römische Götter an und werden nach römischem Gesetz behandelt. Vergnügen hatte das römische Publikum am vielfältigen Spiel

vom Irren des Menschen, an der Darstellung von Missverstehen und Aneinander vorbeireden.

Die griechischen und die römische Komödien waren Intrigenkomödien, keine Charakterkomödien nach der Art Molières. Ihre Gestalten sind nicht Charaktere, sondern Charaktertypen.

Griechen und Römer hatten Freude an der Intrige. Die Griechen liebten es zu sehen, wie der Mensch auf die Intrige reagiert; die Römer hatten Freude daran, wie der Mensch die Intrige

durchführt.

Wenn Molière auf antike Komödien zurückgreift, sie also rezipiert, arbeitet er zwar auch nach dem eingangs beschriebenen Rezept, schafft aber etwas durchaus Neues. 

Die Vorlage für Molieres „Les fourberies de Scapin“ war die Komödie „Phormio“ des Terenz. Phormio ist der Name des intriganten Parasiten. 

Im Mittelpunkt der antiken Komödie stehen Missverständnisse, in die die „metrische Inhaltsanzeige von Sulpicius Apollinaris“ gut einführt:

Verreist war Chremes Bruder, Demipho, und ließ

Zu Athen zurück den Antipho, seinen Sohn. Es lebt

In Lemnus Frau und Tochter heimlich dem Chremes:

In Athen ein Sohn und eine andere Frau; der liebt

Ein Zithermädchen. Aus Lemnus kommt nach Athen

Die Mutter und stirbt. Die Tochter allein (Chremes war fern)

Bestattet sie. Da sieht sie Antipho und verliebt 

Sich: es verschafft ein Parasit sie ihm zur Frau,

der Vater mit Chremes erscheint und wütet der

Parasit nimmt dreißig Minen, damit er je selbst

Heirate; das Zithermädchen kauft man für das Geld.

Die Frau erkannt vom Oheim bleibt dem Antipho.

Was die antiken Komödien des Plautus und Terenz mit Molières Scapin verbindet, ist ein Zitat des Terenz:

„homo sum, humani nil a me alienum puto“. (Heautontimorumenos V.77).
Ich bin ein Mensch und glaube, dass  mir nichts Menschliches fremd ist.

Und so konnte sowohl das antike Publikum als auch das Publikum im Jahre 2013 mit einem gehöriges Maß an deftigen Ausdrücken rechnen.

Daher ein kleiner Ausflug in 

SENTINA! SIMIA! SUCCULA! Was ausgefallene weibliche Vornamen sein könnten, ist eine kleine Auswahl an Unfreundlichkeiten: Abschaum! Affe! Drecksau!

FATUUS! FLAGITIOSUS! FRAUDULENTUS! Was wie eine wissenschaftliche Aufzählung von Fachausdrücken klingt, ist ein Sammelsurium von Schimpfwörtern:

Dummkopf! Verkommenes Subjekt!  Hinterlistiges Wesen!

Latein einmal ganz alltäglich und  praktisch anwendbar, wenn sie ihren Unmut oder ihre Wut durch kräftiges Schimpfen loswerden wollen. Wenn sie lästern, fluchen oder spotten wollen,

aber doch „gebildet“ erscheinen wollen, versuchen sie es doch mit Latein.

In Molieres Scapin wimmelt es nur so von Schimpfwörtern, wie die folgende alphabetisch angeführte Aufzählung zeigt: Bandit, Beutel, Blutegel, Bube, Dummkopf, Fatzke, Galgenstrick, 

Geizhals, Haderlump, Halunke, Halsabschneider, Höllenschlamm, Hund, Hundsfott, Kanaille, Kettenhund , nichtsnutziger Knülch, Kobold, Kretin, Luder, Memme, Mörder, Nichtsnutz,

Plaudertante, Schandbube, Schandkerl, Schuft, Schurke, Schweinehund, Spitzbub, Stinker, Sturkopf, Taugenichts, unwürdiger Sohn eines solchen Vaters, Verbrecher, Verdammter,

Verräter, Wildsau…

Beim Schimpfen, Keifen, Spotten, Unfreundlichkeiten verteilen, Zetern und Fluchen will man die Schwachstellen des Gegenübers treffen. Vieles aus dem Sprachschatz der Normalrömer

ist in den antiken  Komödien des Plautus und Terenz zu finden oder auch  in den zahlreichen Graffiti aus Rom und  Pompeji. Doch auch von hochkarätigen Rhetoriker und Politikern

wie Cicero ist vieles an Schimpfwörtern überliefert. Eine Umsetzung aus anderen Sprachen trifft jedoch nie den Nerv; wird ein Schimpfwort wörtlich übersetzt, so versteht man es eigentlich

am wenigsten.Ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht alles wörtlich verstehen darf, ist die englische Formulierung "It's raining cats and dogs." Damit kann man im angelsächsischen 

Sprachraum herrlich über zu starken Regen schimpfen. Doch regnet es wirklich Katzen und Hunde?Wohl nicht. 

Die Aussage könnte einen sehr realen Hintergrund haben. Im 17. Jahrhundert, in dem diese Redewendung entstanden sein soll,  waren englische Städte noch weit entfernt 

von einer funktionierenden Müll-und Abwasserentsorgung.

Die Straßen waren stark verschmutzt, sodass bei Regengüssen schon ab und zu auch tote Tiere durch die Gassen geschwemmt wurden. 

Bleiben wir daher gleich bei den Hunden.

 

HUND-CANIS

In Molieres Scapin fallen z. B. die Ausdrücke „Hundsfott; Kanaillen, Kettenhund, Schweinehund“, daher soll der Hund (lateinisch CANIS) als Beispiel für lateinisches Schimpfen dienen.

Unser bester Freund des Menschen, das Muster an Treue und Anhänglichkeit, galt in der Antike als verachtet, unrein, unverschämt, geil und feige. Vergleichbar unserer Kreuzung mit dem

verachteten Schwein als Schweinehund.

 

SCHWEIN-SUS

Das Schwein war auch in der Antike ein Musterbeispiel der Unsauberkeit und Unordnung, so vergleicht der antike Komödiendichter Plautus das Chaos in seinem Haus mit einem Saustall, 

wenn er seinen Sklaven vorwirft: „Man könnte meinen, man wohnte nicht mit Menschen zusammen, sondern mit Schweinen (non homines habitare mecum hic videntur, sed sues). 

Das Schwein galt auch als dumm, um nicht zu sagen „saudumm“. porcus war der Begriff für „dummes Schwein“. Steht auf einer italienischen Speisekarte Maiale , so ist das der Schweinsbraten. Dahinter steht das lateinische Wort maialis, der kastrierte

Eber, also eine absolute Steigerung der „Schweinbeschimpfung. Ein Lieblingsgegner des Paraderedners Cicero war ein hochadeliger, aber ziemlich skrupelloser Politiker namens Verres. Das konnte Cicero bei seinen Reden gegen Verres wunderbar

ausnutzen, bedeutet doch verres Eber oder Wildsau. Auf einem Graffiti im alten Pompeji findet man den Ausdruck vana succula, nichtsnutziges Schweinchen, vergleichbar unserem Schweinderl  oder dem süddeutschen Suckerl. 

Liest man das ganze Graffiti, ist succula aber beileibe kein Kompliment oder Kosewort, sondern ein enttäuschter Liebhaber machte sich damit Luft.

Auch der nicht ganz feine Geruch der Schweine oder des Schweinestalls diente für Beschimpfungen:

Oboluisti alivum, germana inluvies, rusticus, hircus, hara suis,, canem, caprem commixtam!(Plautus Mostellaria 40fff.)

Du stinkst nach Knoblauch, du Hosenscheißer, Bauerlümmel, Bock, du Schweinestall, nach Hund und Geiß zusammen.

Aber zurück zum CANIS (Hund)und zu seiner griechischen Entsprechung „kyon“. Davon leiten sich die Kyniker ab, deren berühmtester Vertreter Diogenes von Sinope war, 

der vor allem für sein bescheidenes Leben in einem Fass bekannt ist. Der bissige römische Epigrammschreiber Martial beschrieb ihn so:


Den Alten da, den du, Cosmus, oft im Heiligtum unserer Pallas siehst
und im Inneren des neuen Tempels,
mit Stock und Ranzen, dem grau und verwahrlost
die Haare stehn, dem auf die Brust ein schmutziger Bart fällt,
den ein vergilbter Mantel, die Braut seiner nackten Pritsche bedeckt
und dem die vorbeiströmende Menge Brot reicht, um das er sie anbellt –
hereingefallen auf die Erscheinung, die er vortäuscht, hältst du ihn für 
einen Kyniker.
Doch Kyniker ist er nicht, Cosmus. Was dann? Ein Hund.. 

QUID ERGO? CANIS

Aus den Kynikern wurden unsere Zyniker und aus dem lateinischen CANIS wurde die Kanaille oder Canaille. Hinter diesem aus dem Französischen übernommenen Schimpfwort 

steht das lateinische CANICULUS, einer Verkleinerungsform von CANIS, also eigentlich das kleine Hündchen oder Hunderl.

 

PRAKTISCHES LATEIN

Schimpfende Römer betonen mit ihren Aussprüchen gerne die moralisch geforderten, aber vom Beschimpften nicht eingehaltenen guten Eigenschaften, die ein echter Römer 

„vir vere Romanus“ oder eine Römerin „femina Romana“ haben sollte, daher gibt es viele Schimpfwörter, die alle einem Muster folgen.

Positive Eigenschaften werden durch das in –oder im-, das unserem un-entspricht, zu negativen Attributen und damit zu einem Schimpfwort.

Eine weitere praktische lateinische Eigenschaft ist die Endung. Mit –us beschimpft man einen Mann; soll eine Frau damit bezeichnet werden, ändert man das –us auf –a.

 

vir

 

femina

 

Mann

 

Frau

dignus

digna

würdig

indignus

indigna

unwürdig

fidus

fida

treu

infidus

infida

untreu

gratus

grata

dankbar

ingratus

ingrata

undankbar

honestus

honesta

ehrenhaft

inhonestus

inhonesta

unehrenhaft

pius

pia

pflichtbetont

impius

impia

pflichtvergessen

probus

proba

brav

improbus

improba

böse

pudicus

pudica

schamhaft

impudicus

impudica

schamlos

purus

pura

rein

impurus

impura

schmutzig

 

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen und jeder ist eingeladen, dies auch im Deutschen zu probieren.

 

BESTIALISCHES LATEIN

Zum Beschimpfen eignet sich auch „bestialisches Latein“. Die lateinische bestia, unsere Bestie, bezeichnet ganz allgemein (wilde) Tiere.

Abgesehen von Hund (canis) und Schwein (sus, maiale, porcus)findet sich ein ganzer Tiergarten an Möglichkeiten. Viele der tierischen Beschimpfungen sind auch im deutschen Schimpfwörterschatz zu finden,

aber bei uns oft verwendete  Bezeichnungen  wie „dumme Kuh, Hornochse oder Rindvieh“ wird man vergeblich suchen.

Die Kuh bos oder die Kühe boves sind für die Römer, die stark in der Landwirtschaft verwurzelt sind, außer obligo, mit einer Ausnahme, dem Stier taurus, der aber im sexuellen Bereich 

angesiedelt ist.

Ein taurus iners ist die wenig schmeichelhafte Bezeichnung für einen nicht ganz potenten Liebhaber, wobei iners nicht nur untätig, faul bedeutet, sondern auch das lateinische Grundwort

ars (Kunst, Kunstfertigkeit) enthält, also ein Liebhaber, der nicht nur untätig ist, sondern auch noch kunstlos an die Sache herangeht. 

Die Bezeichnung „boopis“ kuhäugig war z.B. bei den Griechen ein Kompliment für Mädchen mit besonders schönen Augen.

 

Für Tierliebhaber eine kleine alphabetische Auswahl

 

Aasgeier

 

vultur

Affe

simia, simius

Blutegel

hirudo

Blutsauger

cimex, hirudo

Bock

hircus

Dreckspatz

upupa

Elster

pica

Esel

asinus, asellus

Filzlaus

pedis

Fliege

musca

Frosch

rana

Floh

pulex

Fuchs

vulpes

Geier

vultur

Giftschlange

vipera venenata

Habicht

accipiter

Hammel

vervex

Hund

canis

Kamel

camelus

Krokodil

corcodrillus

Kröte

curculiunculus

Kuckuck

cuculus

Mistvieh

caenum, lutum, propudium, stercus

Nebelkrähe

milva

Rhinozeros

rhinoceros

Schaf

pecus, ovis

Schlange

serpens, vipera

Schwein

sus, succula, maiale, verres

Schluckspecht

gulo

Sumpfhuhn

lustro

Uhu

bubo

Unglücksrabe

corvus

Vieh

belua

Wanze

cimex

Wurm

lumbricus

Ziege

capra

 

 

STINKENDES LATEIN

Ein Tier muss für alle Stinker herhalten: hircus der Bock. Da der Bock von Jahr zu Jahr mehr zu stinken beginnt, ist eine besondere Steigerung senex hircosus, der alte Bock.

In einer Plautuskomödie muss sich ein heiratswilliger älterer Mann aufklären lassen, warum seine Chancen nicht sehr gut stehen:

„Du Hungerleider, Stinker, alter Bock, du solltest eine Frau küssen dürfen? Damit sie, wenn du kommst, zu erbrechen beginnt?

Iaiunitatis plenus, anima foetida, senex hircosus, tu osculere mulierem? Utine adveniens vomitum excutias mulieri? (Plautus, Mercator 574 ff.).

Auch der römische Dichter Catull klärt einen Möchtegernliebhaber auf, warum er trotz vieler Geschenke nicht ans gewünschte Ziel kommt.

Da nützen so großzügige Geschenke wie Juwelen und Designerkleider nichts, wenn in der Achselhöhle der stinkende Bock wohnt (valle sub alarum trux habitare caper).

Dieser stinkende Bock HIRCUS ist ein überaus bösartiges wildes Tier(mala valde bestia). 

Catulls direkter Tipp: „Töte dieses grausame Verderben der Nasen oder hör auf dich zu wundern, warum die Mädchen vor dir davonlaufen 

(quare aut crudelem nasorum interfice pestem, aut admirari desine cur fugiunt).

Diesen Vergleich des unter der Achselhöhle wohnenden stinkenden Bocks, also des üblen Körpergeruchs spricht auch folgender Kosmetiktipp des Dichters Ovid in seiner Liebeskunst an:

Beinahe hätte ich davor gewarnt, dass ein hartnäckiger Bock in eure Achselhöhlen schlüpft. 

Quam paene admonui, ne trux caper iret in alas. (Ovid ars am. III 193)

Heute haben wir die Chance dem Körpergeruch mit einem Deo entgegenzuwirken.

Was auf den ersten lateinischen Blick nach einem Gott oder einer Göttin klingt (deo-Gott, dea Göttin) ist eine Verkürzung von DEODORANT; 

das hat auch einen lateinischen Hintergrund: de (von, weg) odore (Geruch, Gestank). Also ist ein Deodorant „weg vom Gestank) und hin zu einem hoffentlich angenehmen Geruch.

Doch noch einmal kurz zurück zum Bock (hircus,caper), mit dem nicht nur übler Geruch verbunden wird, sondern auch Lustgefühl in jeglicher Art.

„Ich habe überhaupt keinen Bock dies zu tun“ oder „Ich hab echt Bock auf dich“ sind häufig zu hörende Aussagen.

Kaiser Tiberius ist ein prominenter Vertreter des Sex-Bockes (caper); wobei er pikanterweise seiner Leidenschaft auf seiner Lieblingsinsel Capri nachging, also der Bocks-oder Ziegeninsel.

Der Kaiserbiograph Sueton nennt Tiberius „Caprineus“, den Mann von Capri, also den „Bockerer“.

Im Volk nannte man ihn allgemein, indem man den Namen der Insel missbrauchte, CAPRINEUS, Bockerer.

Vulgo nomine insulae abutentes Caprineum dicitibant. (Sueton; Tiberius 43,2)

 

DUMMES LATEIN

In einer Selbstbeschimpfung eines von seinem Sklaven übertölpelten alten Mannes in einer Plautuskomödie finden wir eine Menge von Dummköpfen:

Quicumque ubi sunt,qui fuerunt quique futuri sunt posthac

Stulti, stolidi, fatui, fungi, bardi, blenni, buucones, solus ego omnis longe anteideo

Stultitia et moribus indoctis.Perii, pudet. (Plautus Bacchides 1087 ff.)

 

Alle jetzigen, früheren und künftigen Deppen, Trottel, Schwachsinnigen, Hohlköpfe, Idioten, Rotzbuben und Frechdachse stelle ich allein weit in den Schatten, dumm wie ich bin und

ungebildet. Mit mir ist`s aus: ich schäme mich.

Im Lateinischen gibt es viele Bezeichnungen für DUMM, z. B. STULTUS-  STUPIDUS – STOLIDUS-  FATUUS…

Unser „Idiot“ kommt vom griechischen idiotes. Ein Idiot im eigentlichen Sinn ist  jemanden, der sich nur um seine eigenen Angelegenheiten, nicht aber um Politik und Ämter kümmert, 

also lateinisch ein privatus. So ein Mensch war für die alten Römer natürlich ein Eigenbrötler und Sonderling, ein Idiot.

Der spätere Kaiser Claudius musste sich von seiner Mutter Antonia eine sehr boshafte Äußerung gefallen lassen. Wollte sie jemanden beleidigen, behauptete sie, er sei noch blöder

als ihr Sohn Claudius(stultior filio suo Claudio).

Auch beim römischen Komödiendichter Terenz finden wir „eine Menge Dummheit“. Der alte Menedemus beschreibt sich und seinen Ratgeber Chremes folgendermaßen:

„Ego me tam astutum neque ita perspicacem esse id scio; sed hic adiutor meus et monitor et praemonstrator Chremes hoc mihi praestat: in me quidvis harum rerum convenit, 

quae sunt dicta in stulto: caudex, stipes, asinus, plumbeus; in illum nil potest: exsuperat eius stultitia haec omnia.“(Terenz, Heautontimorumenos 874 ff.)

Ich weiß, dass ich nicht so schlau bin und keinen so großen Durchblick habe; aber Chremes, dieser mein Helfer, Mahner und Berater übertrifft mich darin noch: 

Auf mich trifft alles von diesen Dingen zu, die man über einen Dummen sagt: Holzklotz, Tölpel, Esel, Bleiklumpen. Bei jenem ist das nicht möglich: 

Seine Dummheit übertrifft dies noch alles.

Schön, aber dumm oder gutgebaut, aber nicht viel im Kopf, dieses Vorurteil bediente auch schon der Philosoph und Erzieher Neros, Seneca. 

Quam imbecilli animo sint, quorum lacertos umerosque miramur. (Sen. Ep.mor. 80,2)

Wie schwach im Geist doch die sind, deren Bizeps und Schulterpartien wir bewundern.

Unser Ausruf „Auch, ich Blöder“ oder „ich, Dummer“ wird im Lateinischen gerne durch das Fehlen von Geist und Verstand (mens)umschrieben: amens oder demens, 

d.h. ich besitze eben diesen Geist oder Verstand nicht. Daher war auch das Wortspiel amantes amentes sehr beliebt, was unserem „Verliebte sehen alles durch die rosarote Brille“ entspricht und wörtlich „Liebende haben keinen Verstand“

bedeutet.

 

MÖRDERISCHES LATEIN

In Molieres Scapin heißt es: Bandit, Galgenstrick, Haderlump, Halunke, Halsabschneider, Mörder, Schandbube, Schandkerl, Schuft, Schurke, Verbrecher, Verdammter, Verräter …

Wollte man jemanden als Bandit beschimpfen, titulierte man ihn mit fur; wollte man dieses Schimpfwort jedoch dezent umschreiben,

nannte man ihn einen Dreibuchstabenkerl (F-U-R). Eine Steigerung dazu ist der trifur (also wörtlich der „Dreifache Dieb).

Ein legirupa ist ganz allgemein jemand, der alles Illegale liebt, der wörtlich die leges (Gesetze) 

gebrochen hat  rupit). „Du, Räuber“ entspricht  praedo, latro, ereptor. Griechisch angehaucht ist der clepta. Praktiziert man dieses Stehlen aus Leidenschaft, dann ist man ein Kleptomane.

Unser Halsabschneider ist lateinisch noch drastischer ausgedrückt: carnifex. Die Nachsilbe–fex bezeichnet den Macher.

Der carnifex macht also jemand zu carnem (Fleisch). Mit caro putida  (faules Fleisch)kann man auch ein Luder bezeichnen.

Unser Mörder ist lateinisch oft der sicarius, der mit der sich, dem Dolch oder Stilett arbeitet oder der percussor, der Durchbohrer.

Das Wort Mörder kommt allerdings vom lateinischen mordere (beißen).

Kurz und prägnant reicht allerdings ein iste (dieser da), um sein Gegenüber als Verbrecher, Schuft und Schandkerl zu bezeichnen. 

Eine Berufsgruppe musste auch als Schimpfwort „Verbrecher“ herhalten, der gladiator, der mit dem gladius (Schwert)kämpft, eine Berufsgruppe, 

die bei den Damen sehr beliebt, in der Arena sehr bewundert, aber in der Gesellschaft aber sehr tief stehend war.

Weibliche Beschimpfungen sind in Molieres Scapin sehr rar gesät, aber eine kleine lateinische Auswahl soll nicht fehlen.

Im Schelmen-und Abenteuerroman Satyricon des Petronius Arbiter gibt es ein aufschlussreiches Schimpfduett zwischen dem neureichen Trimalchio und seiner Frau Fortunata,

deren Vorleben einen sehr zweifelhaften Ruf hatte.

Fortunata bekommt von ihrem Mann unter anderem folgende Schimpfwörter serviert:

AMBUBAIA, AMASIUNCULA, FULCIPEDIA, MACHILLA, STERTEIA.

Eine Ambubaia war eine syrische Straßenmusikantin, umgangssprachlich wurden damit aber eine Prostituierte bezeichnet. In die gleiche Richtung geht amasiuncula,

eine verächtliche Verkleinerungsform der Geliebten, amata. Schon schwerer ins Heutige umzusetzen ist fulcipedia. 

Vor den pedes, den Füßen, bekannt aus den „Pedalen“, steht fulcire (stützen), wörtlich also eine Fußstützerin.

Was soll das aber bedeuten? Entweder eine Frau, die beim Gehen eine Stütze braucht, weil sie vielleicht zu viel getrunken hat

und daher beim Gehen etwas schwankt, oder eine Dame mit besonders hohen Schuhen, 

die daher einen etwas unsicheren Gang hat  oder eine Frau, die auf großem Fuß lebt, also eine arrogante Angeberin.

Machilla ist eine besonders herabwürdigende Beschimpfung, wird doch damit der Nachttopf, unser „Topf“ bezeichnet, womit die Querverbindung klar sein dürfte.

Sterteia kommt von stertere (schnarchen), somit ist eine sterteia eine Schnarcherin.

In einer Plautuskomödie beschreibt eine Bordellwirtin die für sie arbeitenden Mädchen als „bleigraue Nacktschnecken, vom Fieber gebeutelt, miese Huren, knochig, für wenig Geld

zu  haben, billig parfümiert, komische Figuren mit vorspringenden Fußknöcheln und dünnen Schenkeln.

Limaces lividae, febriculosae, miserae amicae, osseae, diobolares, schoeniculae, miraculae cum extertis talis, cum todillis crusculis. ( Plautus Cistellaria 405ff.)

Ebenfalls in einer Plautuskomödie beschimpft der Sklave Palinurus ein Mädchen:

Quid ais, propudium? Tun etiam cum oculis noctuinis „odium“ me vocas? Ebriola persolla, nugae! (Plautus Curculio 190ff.)

Was sagst du, du Schandfleck? Du mit deinen Eulenaugen nennst mich Widerling? Versumpftes Luder, lächerliches Stück!

Beliebt als Beschimpfung war die venefica und die Verstärkung triveneficaVenenum ist das Gift, daher ist eine venefica eine Giftmischerin und die trivenefica,

die dreifache Giftmischerin.

Der bissige Epigrammschreiber Martial beschrieb Chloe, eine Frau, die schon oft Witwe geworden war:

 

Verräterisches Bekenntnis auf einem Grabstein

Die verbrecherische Chloe schrieb auf das Grabmal ihrer sieben Männer; sie habe es gemacht. Chloe, was könnte aufschlussreicher sein?

Inscripist tumulis septem scelerata virorum

„se fecisse“ Chloe, quid pote simplicius?(IX 15)

 

Auch Ehemänner dürften nach diesem Rezept gearbeitet haben.

Schon die siebente Ehefrau begräbst du, Phileros, auf deinem Land. Keinem, Phileros, bringt das Land mehr ein als dir.

Septima iam, Phileros, tibi conditur uxor in agro,

plus nulli, Phileros, quam tibi reddit ager. (X43)

 

Eine gute Kombination aus Giftmischerin und Giftmischer ist folgendes Epigramm:

Nach dem Begräbnis ihrer sieben Männer heiratete Galla dich, Picentinus: Galla will, glaube ich, ihren Männern folgen.

Funera post septem nupsit tibi Galla virorum,

Picentine: sequi vult, puto, Galla viros.(IX 78)

Will man eine Frau mit Worten treffen, so kann man dies wunderbar – wie uns Catull zeigt mit einer auf den ersten Blick freundlichen, bei genauem Hinsehen aber fiesen Beschreibung tun.

Vorgestellt wird ein Mädchen mit folgenden Schönheitsidealen, nämlich mit sehr kleiner Nase (minimo naso), schönem Fuß (bello pede), dunklen Augen (nigris ocellis), 

langen Fingern (longis digitis) und trockenem Mund(ore sicco, also nicht feuchter Aussprache.

Schaut man aber genau hin, steht vor jeder schönen Beschreibung ein nec und das bedeutet eine Verneinung. 

Die beschriebene Frau, von der man zur Zeit Catulls natürlich genau wusste, wer damit gemeint war, wird sie doch als Freundin des Bankrotteurs aus Formiae vorgestellt, entsprach

also überhaupt nicht dem damaligen Schönheitsideal. Sie war als mit einer ziemlich großen Nase ausgestattet,  ihre Beine dürften eher hässlich gewesen sein, helläugig, mit kurzen Stummelfingern und einer feuchten Aussprache.

 

Salve, nec minimo puella naso

nec bello pede nec nigris ocellis

nec longis digitis nec ore sicco,

decoctoris amica Formiani!

Ten provincia narrat esse bellam?

Tecum Lesbia nostra comparatur?

O saeclum insapiens et infacetum!(Catull c. 43)

 

Sei gegrüßt Mädchen, mit der nicht sehr kleinen Nase,

mit dem nicht schönen Fuss, mit den nicht dunklen Augen,

mit den nicht langen Fingern, mit dem nicht trockenen Mund,

mit der nicht sehr eleganten Sprache,

Freundin des Bankrotteurs aus Formiae.

Die Provinz erzählt, dass du schön seist?

Mit dir wird meine Lesbia verglichen?

O unkluges und unfeines Zeitalter.

 

Ebenfalls mit Gegensätzen arbeitet der boshafte Epigrammschreiber Martial, der einer nicht mehr ganz jungen und nicht ganz so hübschen Römerin unterstellt, sie umgebe sich nur

mit noch älteren und noch hässlicheren Frauen, um selbst besser dazustehen.

Omnes aut vetulas habes amicas aut turpes vetulisque foediores.

Has ducis comites trahisque tecum per convivia, porticus, theatra.

Sic formosa, Fabulla, sic puella es. (Martial VIII 9)

 

Du hast alles nur alte Schachteln als Freundinnen oder hässliche oder noch scheußlichere als die alten Schachteln. Diese nimmst du mit zu Parties, zur Flaniermeile und ins Theater.

So bist du schön, Fabulla, so bist du ein junges Mädchen.

Unsere Bezeichnung Veteranen, hinter denen sprachlich die lateinischen veteres die Alten stehen, sind eher positiv konnotiert. Ganz anders die vetulae, die alten Schachteln, von denen

wir die Bezeichnung Vettel ableiten, die wir kurioserweise noch mit „alte Vettel“ verstärken, also die doppelt alte Schachtel.

Unser Luder hat eventuell das lateinische ludia zum Ursprung. Ludus bedeutet einerseits das Spiel, ludus litterarius ist die Grundschule, ludus bezeichnet aber auch die Gladiatorenschule.

Daher ist eine ludia ein Gladiatorenliebchen vergleichbar unserer Gangsterbraut.

 

P.S.

Ein kleines lateinisches POST SCRIPTUM
Viele uns heute ganz geläufige Aussprüche haben ihren Ursprung in den Komödien des Plautus und Terenz, so z.B. die oft zitierte Aussage „die Suppe auslöffeln, die man sich 

eingebrockt hat“ Der Schnorrer Phormio sagt zu seinem Freund Geta, dass er nun allein mit seinen Schwierigkeiten fertigwerden müsse: „tute hoc intristi, tibi omne est exedendum“.

Fast zum Schluss noch ein lateinisch- deutsches VADEMECUM (Geh mit mir) mit geflügelten Worten aus den Komödien des Plautus und Terenz. 

Viele uns heute ganz geläufige Aussprüche haben ihren Ursprung in den Komödien des Plautus und Terenz, so z.B. die oft zitierte Aussage „die Suppe auslöffeln, die man sich

eingebrockt hat“ Der Schnorrer Phormio sagt zu seinem Freund Geta, dass er nun allein mit seinen Schwierigkeiten fertigwerden müsse: „tute hoc intristi, tibi omne est exedendum“.

 

Viele der bis heute geläufigen Zitate 

 

Eingeleitet werden die alphabetisch angeführten Zitate, die vielfach aus dem PHORMIO des Terenz, der antiken Vorlage von Molieres SCAPIN., stammen, jeweils mit einem Wort,

das jeder als „URDEUTSCH“ empfindet, das aber „URLATEINISCH“ ist, unter dem Motto SIE SPRECHEN MEHR LATEIN; ALS SIE GLAUBEN.

 

A wie AGIEREN 

(agere : tun, treiben)

Acta agere 

(Plautus Cistellaria 703 Pseudolus 260 Terenz Phormio 419)

Erledigtes erledigen (vgl. leeres Stroh dreschen)

Acheruntis pabulum 

(Plautus Casina 157)

Futter für den Acheron (Unterweltfluss)

Ad ingenium redis. 

(Terenz Hecyra 113)

Du kehrst zu deiner Veranlagung zurück. (d..h. du wirst wieder du selbst.)

Abducet praedam, qui occurrit prior. 

(Plautus Pseudolus 1197f.9

Die Beute wird mit sich fortführen, wer sich als erster auf sie stürzt. (vgl. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst).

Abi atque abstine manum! 

(Plautus Casina 229 ;Terenz Adelphoe781)

Geh weg und nimm deine Hand weg!

Ad omnia alia aetate sapimus rectius. 

(Terenz Adelphoe 832)

In allen anderen Angelegenheiten werden wir mit dem Alter weiser außer beim Streben nach Besitz 

Aliam aetatem alia decent. 

(Plautus Mercator 984)

Für unterschiedliche Lebensalter ziemen sich jeweils andere Dinge. (vgl. alles zu seiner Zeit; andere Zeiten, andere Sitten)

Aliis si licet, tibi non licet. 

(Terenz Heautontimorumenos 797)

Auch wenn es anderen erlaubt sein mag, dir ist es nicht erlaubt.

Amantium irae amoris integratio est. 

(Terenz Andria 555)

Der Zorn der Liebenden ist Erneuerung der Liebe. (vgl Liebeszorn ist  neuer Liebeszunder)

Amare tamquam oculos Plautus Miles gloriosus 984

Wie die (eigenen) Augen lieben (vgl. wie seinen Augapfel hüten)

Ambages narras. 

(Terenz Heautontimorumenos 318 f.)

Du sprichst in Rätseln.

Amico amicus 

(Plautus Miles 660 Terenz Phormio (solus est homo amico amicus: nur der Mensch ist Freund dem Freund wie ein Freund gesinnt

An ego totiens de eadem re audiam? 

(Terenz Adelphoe 128)

Soll ich mir so oft noch dasselbe anhören? (vgl. ewig das alte Lied, immer dieselbe Leier hören)

Anquilla est, elabitur. 

(Plautus Pseudolus 747)

Er ist wie ein Aal, er entschlüpft.

Anima est amica amanti. 

(Plautus Bacchides 193)

Die Freundin ist des Liebenden Lebenskraft.

Animam debet. 

(Terenz Phormio 661)

Er schuldet seine Seele (vgl. mit Leib und Seele verschuldet sein)

Animus aequus est optumum aerumnae condimentum. 

(Plautus Rudens 402)

Bei Trübsal ist Gleichmut die beste Würze.

Aquam a pumice nunc postulas. 

(Plautus Persa 41)

Du verlangst nun Wasser von einem Bimsstein (d.h. Geld von einem Armen)

Arare malim quam sic amare. 

(Plautus Mercator 356)

Ich wollte lieber pflügen, als so lieben.

 

B wie BISKOTTE

(bis-zweimal, coctus: gekocht, gebacken; also zweimal gebacken oder Zwieback)

Bolum e faucibus eripere 

(Terenz Heautontimorumenos 673)

Bonus animus in mala re dimidium est mali. 

(Plautus Pseudolus 452)

Gute Gesinnung in einer schlechten Sache ist halbes Übel.

 

C wie CAMPEN

(campus das Feld)

Cantilenam eandem canis. 

(Terenz Phormio 495)

Du singst dasselbe Lied (d.h. die alte Leier)

Crabones irritare 

(Plautus Amphitruo 707)

Hornissen aufreizen (vgl in ein Wespennest stechen)

 

D wie DATUM

(datum: das Gegebene)

Da locum melioribus. 

(Terenz Phormio 522)

Mach Besseren Platz!

Da pignus! 

(Plautus Epidicus 699)

Gib ein Pfand! (d.h. wollen wir wetten!)

 

E wie ESPRESSO

(espressus: ausgepresst)

Eis nunc praemium est, qui recta prava faciunt. 

(Terenz Phormio 771)

Heutzutage gibt es Belohnungen für die, die Gutes schlecht machen.

Elephanti corio circum tectus est. 

(Plautus Miles gloriosus 235)

Mit einer Elefantenhaut ist er ringsum bedeckt. Vgl. er hat ein dickes Fell.

 

F wie FIRMA

(firma : fest, stark, zuverlässig, firm)

Facta infecta fieri nequeunt. 

(Terenz Phormio 1034)

Geschehenes kann nicht ungeschehen gemacht werden.

 

Fortes fortuna adiuvat. 

(Terenz Phormio 203)

Den Wagemutigen hilft das Glück.

Factum est illud: fieri infectum non potest. 

(Plautus Aulularia 741)

Jenes ist geschehen : man kann es nicht ungeschehen machen.

 

G wie GRATIS

(gratis: umsonst, unentgeltlich)

Gallina scripsit. 

(Plautus Pseudolus 29)

Ein Huhn hat das geschrieben. (vgl. Krähenfüße)

 

H WIE HABEN

(habeo: ich habe)

Habet salem. 

(Terenz Eunuchus 400)

Er hat Salz (einen scharfen Verstand und Witz)

Habeas tibi! 

(Plautus Stichus 615)

Du sollst deinen Willen haben (erg. auch wenn er zu nichts Gutem führt)

Habet profecto in ventre confidentiam. 

(Plautus Captivi 812)

Er hat wahrlich Selbstvertrauen im Bauch.

 

I wie INJEKTION

(iniectio: das Hineinwerfen)

In eodem luteo haesitas. 

(Terenz Phormio 780)

Du steckst noch im selben Dreck.

In me omnis spes mihi est. 

(Terenz Phormio 139)

Ich setze meine ganze Hoffnung auf mich selbst.

Illotis manibus 

(Plautus Poenulus 316)

Mit ungewaschenen Händen

 

L wie LEGAL

(legalis: gesetzlich)

Laterem lavem. 

(Terenz Phormio 186)

Ich dürfe wohl einen Ziegelstein waschen (d.h. etwas vollkommen Sinnloses tun)

Lupo agnum eripere 

(Plautus Poenulus 776)

Dem Wolf ein Lamm entreißen (d.h. etwa nahezu Unmögliches tun)

 

M wie MATURA

(maturus oder matura : reif)

Matura, dum libido manet! 

(Terenz Phormio 716)

Beeil dich, solange die Lust anhält. (vgl das Eisen schmieden, solange es noch heiß ist)

Malleus manubrio sapientior. 

(Plautus Epidicus 524)

Der Hammer ist gescheiter als der Stiel (vgl. das Ei will klüger sein als die Henne)

 

N wie NASE

(nasus : Nase)

Nil est dictu facilis. 

(Terenz Phormio 300)

Nichts ist leichter zu sagen.

Nihil est perpetuum datum. 

(Plautus Cistellaria 194)

Nicht ist uns für immer gegeben.

 

O WIE OMNIBUS

(omnibus: für alle )

Obsequium amicos, veritas odium parit. 

(Terenz Andria 68)

Gefälligkeit schafft Freunde, Wahrheit Hass. 

Occidis fabulans 

(Plautus Menaechmi 9229

Du bringst mich noch schwatzend  (d.h. durch dein Schwatzen) um.

 

P WIE PANIEREN

(panis : Brot ; panieren bedeutet daher « bebröteln »)

Potior est, qui prior ad dandum est. 

(Terenz Phormio 533)

Mehr vermag, wer früher da ist zum Bezahlen. (Wer zuerst kommt, mahlt zuerst)

Profecto deliramus interdum senes. 

(Plautus Epidicus 3929

In der Tat spinnen wir Alten bisweilen.

 

Q WIE QUASI

(quasi: als wenn, gleich wie)

Quidquid praeter spem eveniat, omne id deputare esse in lucro. 

(Terenz Phormio 246)

Was entgegen der Hoffnung geschehe, das sei als Gewinn anzurechnen.

Quod fors feret, feremus aequo animo.

(Terenz Phormio 138)

Was das Schicksal bringen wird, werden wir mit Gleichmut ertragen.

Quid id ad me? 

(Plautus Menaechmi 722)

Was geht mich das an?

 

R WIE REZEPT

(receptum: das Aufgenommene, das Entgegengenommene)

Res, aetas, usus semper aliquid apportat novi. 

(Terenz Adelphoe 856)

Die Umstände, die Zeit und die Erfahrung bringen immer etwas Neues mit sich. (Man kann das Leben nie ganz vorausplanen) 

Res amicos invenit. 

(Plautus Stichus 522)

Besitz findet Freunde. (d.h. wer reich ist, hat viele Freunde)

 

S WIE SUMME

(summus oder summa: das Höchste. 

Die Römer schrieben die Summe zuoberst hin und nicht wie wir ganz unten.)

Summa summarum 

(Terenz Eunuchus 90)

Alles in allem

Suum quemque decet. 

(Plautus Stichus 693)

Für jeden ziemt sich da Seine.

 

T WIE TORTE

(tortus : gedreht)

Tetigisti acu. 

(Plautus Rudens 1306)

Du hast es mit der Nadelspitze berührt. (den Nagel auf den Kopf treffen) 

Tua quod nil refert, percontari desinas! 

(Terenz Hecya 810)

Höre auf zu erforschen, was dich nichts angeht.

 

U WIE UNIFORM

(uniformis: einförmig)

Ulcus tangere 

(Terenz Phormio 690)

Eine Wunde berühren (vgl. den Finger in die Wunde legen)

Unde gentium? 

(PlautusAsinaria 91)

Woher in aller Welt?

Unum eum noris, omnes noris. 

(Terenz Phormio 265)

Kennst du einen, kennst du alle.

 

V wie VASE

(vas : Gefäß)

Vae victis! 

(Plautus Pseudolus 1317)

Wehe den Besiegten !

Vixit, dum vixit, bene. 

(Terenz Hecyra 461)

Er hat, solange er lebte, gut gelebt.

Die Buchstaben j und w bleiben leider zitatenlos, da das lateinische Alphabet sie nicht enthält. Mit K beginnt ein lateinisches Wort die Kalendae, das ist der Monatserste.

Sie finden das ist einen AUSRUF wert? Nun denn, in Molieres Scapin hört man: Bei Gott! Himmel! Beim Himmel! Um Himmels willen! Kreuzhimmeldonnerwetter! Zum Teufel! Zum Donnerwetter!

 

ERLEICHTERNDES LATEIN

Leicht kann man sich mit folgenden Möglichkeiten das Leben erleichtern, wenn man sich auf folgende Art Luft macht:

HERCLE - HERCULE(S) - MEHERCLE  - MEHERCULE(S)

Hercules, der antike Superman, der Sohn des obersten Gottes Jupiter und der sterblichen Alkmene, der Gattin des Amphitryon, vollbrachte die zwölf legendären Arbeiten. Da er  

nach seinem Tod vergöttlicht wurde, wurde der  Held der Tapferkeit u. Stärke und  Geber des Reichtums oft auch in Beteuerungsformeln angerufen, allerdings meist nur von Männern,

 im Sinne von

beim Herkules! bei Gott! wahrhaftig! fürwahr!

Will man seinem Schmerz Ausdruck verleihen, reicht ein

EI

Dieses ei entspricht unserem ach!, wehe! 

ei mihi! Weh mir!

Statt des ei ist auch HEM - HM! - O! zu verwenden. Sehr beliebt war das

HEU

heu  ach! weh! o! 

heu me miserum  ich Unglücklicher! 

heu miser  Unglücklicher!

Neben Herkules waren auch die göttlichen Zwillingsbrüder CASTOR und POLLUX sehr beliebt. Im öffentlichen Kult waren die Brüder die Beschützer von Reiterei und Flotte. Als 

Nothelfer wurden sie von Soldaten und Seeleuten in Zeiten der Bedrängnis angerufen. Auch Reisende und Kranke konnten sich Hilfe von ihnen erwarten. 

Die Ausrufe "Ecastor" (bevorzugt von Frauen) und "Edepol" (bevorzugt von Männern) entsprechen als Schwurformel unserem "Bei Gott" oder "So wahr mir Gott helfe."

Mecastor oder ecastor! Beim Kastor

edepol Beim Polux, bei Gott! Fürwahr! wahrlich!

Aber auch die oberste Göttin Juno konnte mit Ejuno (Bei der Juno!) zum Luftmachen dienen.

Wenn sie aber lieber REIN GÖTTLICHES LATEIN bevorzugen, stehen folgende Ausrufe zur Wahl:

di boni! Gute Götter!

di immortales! O ihr unsterblichen Götter!

di melius (faciant)- Gott sei's geklagt!, du lieber Himmel!

di bene vertant - mögen die Götter (es) zum Guten wenden

deo volente - wenn Gott es will

Die Göttin Juno musste für nicht so Freundliches ihren Namen hergeben.

Bevor aber der Satz di te eradicent (wörtlich: die Götter mögen dich ausradieren)„Scher dich zum Teufel!“ folgt, schließt das UN.FEINE LATEIN mit einem 

AD DEUM (zu Gott): ADIEU, ADE!

 

 

Renate Glas 

Lateinerin aus Lust und Leidenschaft

AMICI LINGUAE LATINAE


 

EUROPAGYMNASIUM KLAGENFURT

Ein lateinisches P.S. (post scriptum):

Wer nun mehr Lust auf Latein bzw. lateinisches Schimpfen und Fluchen bekommen hat, dem seien zwei Bücher empfohlen: Gerhard Fink „Schimpf und Schande.  

Eine vergnügliche Schimpfwortkunde des Lateinischen“ und Alexander Winkler„Vorsicht Latein. Latein, wie es wirklich gesprochen wurde.“

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