top

2005
WAS SAGTE DIE PRESSE?

Pantalone -  Prilasnig

Kärntner Tageszeitung

Premiere: Jubel für einen lieben Lügner

Goldoni im Stiftshof Eberndorf als Erfolgsrezept für die Sommersaison. Standing Ovations für "Der Lügner".

EBERNDORF. Keine Lügen, sondern nur "zweckorientierte Realitätsoptimierung", charmant verpackt in eine erfrischend leichte Komödie von Carlo Goldoni, ist das Erfolgsrezept für Sommerfestspiele; zumindest für jene in Südkärnten. Das Publikum umjubelte die Premiere von "Der Lügner" im Stiftshof.

Sommerlich luftig
Straff und sprachlich modernisiert von Regisseur Jörg Schlaminger, geriet die sommerlich luftige Charakterkömödie aus Venedig zum mitreißenden Freiluft-Theaterereignis. Sigrid Gamisch-Karner als hinreißende Rosaura und Simone Jäger als temperamentvolle Beatrice spielen die beiden jungen Frauen, die sich allzu gerne von den Komplimenten und Liebeshuldigungen des Erzlügners und Aufscheiders Lelio, hervorragend gegeben von Alexander Schwab, verführen lassen. Mit der geschickten Taktik, alles verdreht zu erzählen, schwindelt sich Schwab als junger Hauptakteur mit Gigolocharme durchs Geschehen.  Die heiteren Verwirrungen werden geduldig und überzeugend von Peter Thalhammer (Dottore Balanzoni), Hans Prilasnig (Pantalone) und Christopher Amman (Ottavio) gelöst. Mitreißend hilflos mimt Norbert Schüller den schüchternen Verehrer Florindo. Galant als Diener Arlecchino beweist Patrick Steinwidder sein Talent, und erfrischend frivol spielt Mareike Steinwidder die Zofe Columbina. In weiteren Rollen Herbert Muero und Markus Druml. ........grb.

 

Kleine Zeitung

Die Kunst der wendigen Lüge 

Beinahe verregnet wäre die Premiere von Carlo Goldonis "Der Lügner" der Südkärntner Sommerspiele im Stiftshof Eberndorf. Was wirklich ein Pech gewesen wäre.
"Zweckorientierte Realitätsoptimierung" ist Lelio Bisognosis (Alexander Schwab) besondere Begabung. Er ist "Der Lügner" in Carlo Goldonis Komödie, und sorgt für reichlich Spannung. Denn immer wenn die Situation aussichtslos erscheint und man glaubt, jetzt müsse er den verehrten Arzttöchtern und seinem Vater (Hans Prilasnig), endlich die Wahrheit offenbaren, entwirft er ein neues, stark einsturzgefährdetes Lügengebäude.

Schwindel. Allein sein zynischer Diener Arlecchino (Patrick Steinwidder) weiß um den Schwindel, scheitert beim Versuch, es seinem Herrn selbst gleich zu tun, aber kläglich. Denn Lelio ist ein wahrer Meister der Lüge und zaubert ohne Zögern Namen, Orte und Lebensgeschichten aus dem Ärmel. Er selbst begreift sich nämlich als Künstler, der die Wahrheit so lange zurecht dreht, bis sie seinen Vorstellungen entspricht. Selbst Petrus ließ sich vom Lügner überreden, statt der Premiere den Regen zu verschieben.

Gelungen. Die Modernisierung des 1750 uraufgeführten Stücks ist Regisseur Jörg Schlaminger gelungen. Nicht nur die Sprache ist dem Jahrtausend angepasst, auch sind aus den prüden Schwestern Rosaura (Sigrid Gamisch-Karner) und Beatrice (Simone Jäger) wehrhafte Frauen mit spitzen Zungen geworden. Rosauras heimlichen Verehrer Florindo spielt Norbert Schüller eindrucksvoll als exzentrische Mischung aus Otto mit Woody Allen.
..............HEIDE RAMPETZREITER



KronenZeitung

"Verbiegen" als Überlebenstraining

Nix wird ausgelassen: Goldoni wird hier "unterspickt" mit inszenatorischen Seitenhieben. Die Serenade unter dem Balkon wird zum Tränenstück "Amore disperato"; der Balkon selbst - zum Basketballkorb. Viva la comedia, ob leise oder laut, gelogen oder wahr.

Genau in den kleinen Seitenhieben auf aktuelles Geschehen zu Zeit, im Lande, die erstaunlicherweise vom Originaltext Goldonis "aufgelegt" sind, lebt das Sommertheater in Eberndorf. Dieser Zeitbezug und (verlässlich wei jedes Jahr) die minimalistisch-schräge Bühnenausstattung von Hermann Löffler: das macht Eberndorfer Theater unverwechselbar....... MS

 

Unterkärntner Nachrichten

Liebe, Lügen und Leidenschaft im Stiftshof Eberndorf

 Das Theater im Stiftshof Eberndorf zieht mit der Komödie "Der Lügner" wieder alle Register des anspruchsvollen Humors. Wenn die pralle Lüge als kleine Unwahrheit im Dunkel des Vergessens versinkt, wenn geheime Träume hintergründig erfüllt werden und wenn verkündet wird, was man gern hören will, dann war der Autor Carlo Goldoni (1707 - 1793) ein begnadeter Seher.

In der deutschen Fassung und Bearbeitung von Jörg Schlaminger wird die Komödie "Der Lügner" daher in ein zeitloses Venedig versetzt. Standesbewusstsein und Adelsprädikate verbleiben im 18. Jahrhundert, Kostüme und Bühnenbild passen sich den dezent eingeflochtenen Textenpassagen an, in denen der Gegenwartsbezug unüberhörbar ist. Wenn dann als Musikuntermalung neben klassischem Verdi auch Dalla's "Amore disperato" und Filippi/Migliacci's "Tintarella di luna" ertönen, braucht es nicht mehr viel Phantasie, die richtigen Schlüsse zu ziehen.. Doch das Zitat von Wilhelm Busch aus dem Programmheft weist letztlich auf den Schwerpunkt der Inszenierung hin: "Der Beste muss mitunter lügen. Zuweilen tut er's mit Vergnügen." Und dieses Vergnügen ist dem Ensemble anzusehen und springt auch gleich auf den Besucher über. Wesentlichen Anteil daran hat Alexander Schwab in der Rolle des Lelio Bisognosi, einem Lügner, wie er im Buche steht, und einem Verehrer aller Weiblichkeit. Selbst als er in seinem Lügensumpf umzukommen droht, belügt er sich noch selbst und hofft auf ein Wunder. Auf erfrischende Art manövriert er sich in die Rolle des Opfers und stempelt die, die seine Lügen entlarven, zu Schuldigen. Mit Patrick Steinwidder als Arlecchino steht ihm ein Diener zur Seite, der die Gratwanderung zwischen den Lügen und Wahrheiten seines Herrn durch kodierte Kommunikation einigermaßen zu meistern versteht. Peter Thalhammer als Dottore Balanzoni und Hans Prilasnig als Kaufmann Pantalone verkörpern die standesbewusste Elterngeneration auf eindrucksvolle Weise. Ehestand ist und bleibt eine Sache der Vernunft und nicht der Liebe. Sehr zum Leidwesen der Balanzoni-Töchter Rosaura und Beatrice, in jugendlicher Trotzigkeit und im Konkurrenzdenken temperamentvoll dargestellt von Sigrid Gamisch-Karner und Simone Jäger. Da wird der auf Umgangsformen Wert legende Ottavio, gespielt von Christopher Ammann, als Verehrer von Beatrice sichtlich auf eine harte Probe gestellt, denn Mareike Steinwidder als Zofe im Hause Balanzoni bewacht die Töchter mit aller gebotenen Strenge einer loyalen Bediensteten. Ein seltsames Paar stellen Norbert Schüller als der weltfremde Jungmediziner Florindo, Untermieter im Hause Balanzoni und heimlicher Verehrer von Rosaura, und Herbert Murero als sein gewandter und geplagter Vertrauter dar. Zwei Charaktere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und von den Darstellern hervorragend auf die Bühne gebracht werden. Für Konfusion im Lügengeflecht der Handlung sorgt Markus Druml in seinen zwei Rollen als Bote und Briefträger, indem er just zum ungünstigsten Zeitpunkt seiner Pflicht nachkommt. Im Finale bleibt es ihm in der dritten Rolle als Straßenkehrer vorbehalten, die Auferstehung des scheinbar gestrauchelten Lügners im Morgengrauen mitzuerleben. Das Bühnenbild von Hermann Löffler orientiert sich wie gewohnt am Minimalprinzip, die Maske und Kostüme werden dem Zeitsprung der Eberndorfer Inszenierung von der Uraufführung in die Gegenwart gerecht. Licht- und Tontechnik nehmen auf die Freilichtbühne und die vergrößerte Zuschauertribüne Rücksicht und stellen die Akteure im wahrsten Sinn des Wortes ins Rampenlicht. Der empfehlenswerte Besuch des Theaters im Stiftshof gibt Einblick in das aufregende  Leben des Lelio Bisognosi, der als der geniale Erfinder der zweckorientierten Realitätsoptimierung in die Geschichte einging!   Mavo 

Lügen im Stiftshof 

Nach Venedig entführt "Der Lügner" von Carlo Goldoni, der diesjährige Patron der Sommerspiele Eberndorf. Mit viel Gespür hat Jörg Schlaminger diese Commedia umgesetzt, textlich verheutigt und höchst wirkungsvoll inszeniert. Dem Theaterprofi und Literaturkenner ist es auch - wie jedes Jahr gelungen, seine Amateure derart sprachlich und mimisch zu trimmen, dass man meint, man habe Vollprofis vor sich. Vor allem Alexander Schwab als Titelheld ist ein hinreißender Lügner, der Körpersprache und Mimik gezielt einsetzt, um Bühnenpartnerinnen und überhaupt das gesamte Publikum zu betören. Köstlich auch Norbert Schüller, der sich mit seiner schmachtenden Schüchternheit ins Out setzt, bei den Zusehern aber "in" ist und ordentlich punktet. Besonders gefielen mir weiters Patrick Steinwidder als Arlecchino und all die zeitgeistigen Pointen, die Schlaminger dem großen Goldoni unterjubelt hatte: Ein Abend aus einem Guss, klassische Komödie ohne Staubpartikel und ohne Schwachstellen!  Ilse Gerhardt        

Online Kulturplattform

Commedia dell’arte im 21. Jahrhundert!

Und es funktioniert doch! Einmal mehr hat Jörg Schlaminger bewiesen, dass es durchaus möglich ist, die klassische Komödie in die heutige Zeit zu transferieren. Das Rezept? Man/Frau nehme: Ein sparsames, von Hermann Löffler im wahren Sinne des Wortes „designtes“ Bühnenbild, elf SchauspielerInnen, denen die Freude am Spiel förmlich aus den Augen lacht, in Gestus und sprechtechnisch meisterlich. Einen Regisseur, der fernab jeder persönlichen Eitelkeit, ausschließlich im Sinne des Stückes, des Ensembles und last but not least zur Freude und zum Vergnügen des Publikums arbeitet. Wenn dann besagtes Publikum auch noch die richtige Stimmung mitbringt, steht einem sensationellen, vergnüglichen, in jeder Hinsicht qualitativ hoch stehenden Theaterabend nichts mehr im Wege. Wenn uns dann auch noch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik belügt und Regengüsse ansagt, die erst während der Premierenfeier einsetzen ist der Abend perfekt............

ZURÜCK ZUM ARCHIV