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THEATER IM STIFTSHOF

2015

 

 

Johann Nestroy

Österreichischer Schauspieler, Sänger, Stückeschreiber, Possendichter; geboren am 7. Dezember 1801 studiert als Sohn eines Hof- und Gerichtsadvokaten zunächst Jura in Wien, ehe er sich der darstellenden Kunst zuwendet; beginnt 1822 zunächst als Opernsänger am Hoftheater Wien, wechselt 1823 an das Deutsche Theater in Amsterdam, wo er bereits einige Sprechrollen in Lustspielen übernimmt.  1825 geht er nach Brünn, Mitte 1826 nach Graz, wo die komischen Sprechrollen bereits die Gesangspartien überwiegen. 1831 engagiert ihn Direktor Carl ans Theater an der Wien. Dort feiert Nestroy nicht nur als Schauspieler große Erfolge, sondern macht auch erste Schreibversuche, die über Textbearbeitung und kleine Vorspiele hinausgehen. 1832 erzielt er als Bühnenautor bereits einige beachtliche Erfolge. 1833 gelingt ihm mit “Lumpacivagabundus”, seinem (auch später) meistgespielten Werk, endgültig der große Durchbruch als Autor. Er wird zur Leitfigur des vormärzlichen Wiener Volkstheaters, brilliert als Schauspieler künftig vor allem in eigenen Stücken, die er sich und seinen Partnern Scholz, Carl, Grois, später auch Treumann auf den Leib schreibt. 1845 geht er mit Carl ans Leopoldstädter Theater, das er 1854 als Direktor übernimmt und bis 1860 erfolgreich leitet, ehe er sich altersbedingt nach Bad Ischl und Graz zurückzieht, wo er am 25. Mai 1862 stirbt.  

Die Werke Nestroys sind geprägt von desillusionierender, absoluter Skepsis gegenüber menschlichem Verhalten und gesellschaftlichen Entwicklungen jeglicher Art. Unerbittlich zeigt er menschliche Abgründe und Schwächen, prangert sie an, doch ist stets Sympathie für die kleinen Leute spürbar, letztlich auch eine tief versteckte moralische Utopie. Nestroy hinterließ 83 Stücke, darunter so bekannte wie "Der Talismann, Lumpazivagabundus, Einen Jux will er sich machen, Der Zerrissene, Freiheit in Krähwinkel, Höllenangst, usw., aber auch Zauberpossen wie z.B. diese mit dem wohl längsten Stücktitel der Theatergeschichte:

"Der Zauberer Sulphurelectrimagnetcophosphoratus und die Fee Walpurgiblocksbergisseptemtrionalis oder die Abenteuer in der Scalverei oder Asiatische Strafe für europäische Vergehen oder Des ungeratenen Herrn Sohns Leben, Taten und Meinungen, wie auch seine Bestrafung in der Sclaverei und was isch all dort Ferneres mit ihm begab"

            Originalhandschrift Nestroys vom 13. April 1840                          

„Im Lebenstheater ist die Freude das große | Ballett, die Liebe die dramatische Idylle, | leider nur in Einem Act; die Ehe wird für | die harmoniereiche Oper gehalten, geht | aber sehr oft in ein ordinäres Spectakel-| Stück über; das Wircken des Menschen | soll sich zum Effect-Drama gestalten, | doch meistens wird nur eine lokale Pos-|se daraus; das große weltkannte Traum-| spiel ist der Tod". 

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