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Der Beste muss mitunter lügen.

Zuweilen tut er's mit Vergnügen.

 

(Wilhelm Busch)

 

 

 

Goldoni (1707–1793)

 

Goldoni schrieb seinen „Lügner“ (1750) als Variante zu Pierre Corneilles gleichnamiger Komödie (1642), deren Aufführung er in Florenz gesehen hatte. Sein Hauptheld Lelio ist ein, sich aus übermütiger Phantasie in ein Gestrüpp von Erfindungen, Halbwahrheiten und Angebereien verstrickender, durchaus charmanter  „Lebenskünstler“. Er lügt nicht aus Bosheit, sondern aus purer Lust an der Sache, aus Freude an seiner schier unerschöpflichen Erfindungsgabe. Und er genießt das Gefühl der Überlegenheit, das er sich dadurch verschafft:

 

„Ahnungsloser! Das sind keine Lügen. Das sind Eingebungen der spontan sprudelnden Quelle meines sprühenden Geistes. Wenn man das Leben genießen will, muss man die Gelegenheiten, die es bietet, mit allen Mitteln beim Schopf ergreifen.“ (1.Akt, 4.Szene)

 

"Il Bugiardo" - die Komödie im Original

 

 

Mit dem Anspruch auf mehr Wirklichkeitsbezug reformierte Carlo Goldoni (1707 – 1793) die italienische Komödie nach dem Vorbild der Molière’schen Charakterkomödien und löste damit die, seit dem 16. Jahrhundert in Italien vorherrschende Commedia dell’ arte ab. Dem possenhaften, improvisierten Stegreifspiel mit seinen festgelegten, in Masken agierenden Figurentypen, setzte er individuelle Charaktere, bühnenwirksame Handlungsabläufe und Dialoge in der Sprache des Volkes entgegen. Erst mit Goldoni setzte sich in Italien die schriftliche Fixierung von Theaterstücken durch. Zahlreiche erstklassige Komödien (Der Diener zweier Herren, Mirandolina, Trilogie einer Sommerfrische, etc., etc.) weisen Goldoni als Meister seines Faches aus und sichern ihm einen würdigen Platz im Olymp der Komödiendichter.

 

Lüge als positiver Akt?

 

 

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