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Lechthaler als Hausmeister

 

Phakipinpler, K.Fiedelbogen oder J.Wurstio waren einige der Pseudonyme unter denen Philipp Hafner, eine der originellsten Persönlichkeiten der österreichischen Theatergeschichte in Erscheinung trat. Er entstammte ärmlichsten Verhältnissen, war zweifelsohne humanistisch gebildet, wobei über seine berufliche Laubahn keine gesicherten Angaben zu finden sind. Möglicherweise war er als Assessor beim Wiener Stadtgericht und als kleiner Beamter in der Reichskanzlei tätig. Als Dramatiker hat der bereits mit neunundzwanzig Jahren 1764 verstorbene Autor in seinem kurzen Wirken in Wien für das deutschsprachige Theater dasselbe vollbracht wie etwa Molière in Frankreich oder Goldoni in Italien, nämlich das Wesen der Stegreifspielenden commedia dell’arte in literarischer Form festzulegen und wurde so zum Schöpfer einer völlig neuen Theatergattung, der Wiener Volkskomödie und damit zum Vorbild für Bäuerle, Raimund und Nestroy, die das Genre schließlich zur Blüte führten. Dabei bediente er sich grundsätzlich nicht, wie damals durchaus üblich, bereits vorhandener Stoffe für seine Komödien, sondern erfand sie aus erlebter Tradition schöpfend, in dichterisch freiem Schaffen selbst. Und so mancher typische „Nestroysatz“ findet sich bereits in seinem Werk. Hafner wird als reger Geist, ausgezeichneter Gesellschafter und zu allerlei Scherzen, Wetten und übermütigen Streichen aufgelegter Zeitgenosse beschrieben. So erzählt man sich z.B., dass er es fertig gebracht hat, ohne Einladung auf einem Hofball zu erscheinen, indem er, während zwei elegante Damen aus der eben vorgefahrenen Kutsche ausstiegen, er auf der anderen Seite derselben einstieg, um hinter den Damen auszusteigen, als gehöre er zur Gesellschaft. Unzählige Anekdoten werden seiner Urheberschaft zugesprochen. Selbst in der Sterbestunde schien ihn seine humorige Natur nicht zu verlassen und so empfing er seinen Arzt Dr. Matthes mit den Worten: “Heut ist Matthe am Letzten!“

"Er war ein Markstein in der Geschichte der Wiener Dramatik, der das Regellose zur Regel gemacht, das Zerflatternde und Zerfließende in feste Formen gegossen hatte. Ohne ihn gäbe es die ganze Entwicklung der Volksdramatik in Wien nicht, ohne ihn wären die Gipfelpunkte Ferdinand Raimund und Johann Nestroy nicht denkbar."  Emil Karl Blümml 1922

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