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WAS SAGTE DIE PRESSE?

 

Leicht Lachen mit und ohne Hut

Eine verrückte Hochzeitsgesellschaft samt Myrtenstock rotiert im Stiftshof: „Der Florentinerhut“ bei den Südkärntner Sommerspielen.

EBERNDORF. Wenn sich zwei ernsthaft darüber unterhalten, ob nun ein Myrtenstock der bessere Konzertflügel ist oder doch ein Bösendorfer, dann summt im Stiftshof von Eberndorf wieder der Komödienmotor. Heuer ist es „Der Florentinerhut“ von Eugène Labiche, dem Regisseur Jörg Schlaminger die perfekte Passform für den Sommer gibt. Und da ist noch nicht mit eingerechnet, dass es bei der Premiere im Stück und im Stiftshof gleichzeitig zu regnen begann und das Publikum die Schirme auf der Bühne zunächst für einen spontanen Regiegag hielt.

Jedenfalls hat die Stute von Fadinard den italienischen Strohhut schon vor Beginn des Stückes gefressen. Just am Tag seiner Hochzeit, worauf dem Pariser Lebemann (Alexander Schwab spielt ihn textsicher mit lebhafter Mimik und komischer Verzweiflung) alles aus dem Zügel läuft. Schließlich wähnt sich die in acht Fiakern deponierte Hochzeitsgesellschaft auf dem Weg zum Standesamt, folgt Fadinard dann aber quer durch Paris, als er versucht, einen Florentinerhut aufzutreiben.

Das Bemühen einen Ehebruch zu vertuschen wächst sich zu einem Spießrutenlauf zwischen Notlüge, Missverständnissen und irrwitzigen Zufällen aus. Schlaminger hält die feine Motorik gut in Schwung, lässt der Entwicklung des absurden Spaßes Zeit und nur eine Geschwindigkeitsüberschreitung zu: Wenn Fadinard seiner Verflossenen weis macht, dass „Trampel“ herauskommt, wenn man sehr schnell „teurer Engel“ sagt. Typensicher besetzt ist das Ensemble vom schwerhörigen Onkel (Helmuth Lechthaler) bis zum Dienstmädchen (Birgid Radeschnig) nie überfordert und klettert im puristischen Bühnenraum (eine Wand, ein paar Türen, eine Sitzgelegenheit) von einem Fettnäpfchen ins nächste. Sehr zum Gaudium des Publikums, das von Akkordeonist Stefan Kollmann in französische Stimmung versetzt wird. Chapeau!  USCHI LOIGGE

 

KronenZeitung

Schlaminger holt mit Labiche leichtes Lachen nach Eberndorf

Aus und vorbei — oder doch nicht?

Abstraktes Design in Schwarz für die Bühne, dazu helle Symbolik wie grüner Myrtenstrauch und ein Stuhl. Doch nicht nur die Ausstattung von Hermann Löffler, sondern die ganze Inszenierung von Labiches Meisterwerk „Der Florentinerhut“ durch Jörg Schlaminger kommt in Eberndorf aus der absurden Trickkiste. Dafür gab‘s Donnerstag großen Premierenjubel.

Das berühmte ‚leichte Lachen von Porcia“ hat sich zu mindest für diese Saison auch im Stiftshof einquartiert: In fast Wochinzscher Präzision und auch ansehnlichem Tempo werden hier der französische Komödienfabrikant und Mitautor Marc-Michel als Vorboten von Feydeau & Co zelebriert. Damit die komischen Zufälle und Verwicklungen, die das Auffressen eines Strohhutes durch ein Pferd auslöst, zum feinen Theatergenuss werden, braucht es ein Ensemble wie das Eberndorfer: Allen voran Alexander Schwab, der als „Lebemann“ an seinem Hochzeitstag alle Spielregeln der Spießergesellschaft auf einmal erlebt und sich virtuos in Sprache und Spiel zwischen dem stereotypen „Aus und vorbei" des Schwiegervaters (Hans Prilasnig), den wilden Attacken des arabischen Soldaten (Gerhard Kuschej) und der Damenwelt durchmanövriert. Ein bisschen Akkordeon (Stefan Kollmann), ein paar „Sapristis!“ und schon ist alles très francais, ohne (Kärntner) „accent“, wofür dem Amateurensemble extra Lob gebührt. Pausentipp: Besuch der Galerie, wo Arno Popotnig mit leuchtend bunten Landschaftsabstraktionen seinen gelungenen Auftritt hat. Bis 15.8. ANDREA HEIN

 

Kärntner Tageszeitung

Das Pferd hat den Strohhut gefressen

Eugène Labiches quirlige Boulevardkomödie „Der Florentinerhut“ bei den Südkärntner Sommerspielen in Eberndorf dürfte in Jörg Schlamingers Regie zum Sommerhit 2008 werden. Wenn Theaterbesessene Theater spielen. 

EBERNDORF. Und wieder hat Intendant und Regisseur Jörg Schlaminger eine jener unverwüstlichen klassischen Komödien gefunden, die er dann mit Elan ins Heutige transportierte. Seit 32 Jahren gibt es die Südkärntner Sommerspiele — heuer ist es der ominöse „Florentinerhut“ von Eugène Labiche. Bei diesem Strohhut, der von einem Pferd gefressen wird, geht es um die bürgerliche Ehe beziehungsweise um die Vertuschung eines Ehebruchs. Darum kreisen bornierte Kleinbürger, eine naive Braut, die in zu großen Schuhen steckt, ein schwer höriger Onkel und ein spießiger Schwiegervater. Jörg Schlaminger verfügt über eine Riege Theaterbesessener, die bis an ihre Grenzen gehend spielen, was das Zeug hält. Kongenial die „alten“ Eberndorfer Hans Prilasnig, Helmuth Lechthaler, Hubert Murero und Peter Thalhammer. Aber da gibt es noch die Herzergreifenden wie Alexander Schwab, Tanja Raunig oder Markus Druml sowie eine Schar von Spielern, die den nötigen Drive draufhaben, um die Bühne zu beleben und dem Publikum Wohlgefallen zu verschaffen. Gut so! Erotische Andeutungen, Pantoffelhelden, das Tier im Menschen und das Paris der Belle Epoque - und das alle ohne Türgeknalle und Klamauk: Der Eberndorfer „Florentinerhut“ wird bestimmt zum Sommerhit 2008!  JOSEF K.UHL

 

PROBENFOTOS

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