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 Launiges und Wissenswertes aus der Antike

LATEIN IN ALLEN LEBENSLAGEN

 

VIERZIG JAHRE SÜDKÄRNTNER SOMMERSPIELE

Was für ein JUBILÄUM! Da möchte man sofort jubilierend in lauten Jubel ausbrechen und ein lautes Freudengeschrei erheben. Nur zu! Wer jubelt und jubiliert, trifft den ursprünglichen Sinn der Wörter haarscharf. Hinter dem Jubeln und Jubilieren steht das lateinische IUBILARE, das jauchzen, frohlocken oder ein wildes Geschrei erheben bedeutet. Das Jubiläum kommt vom IUBILUM, einem wilden Schreien, Jauchzen oder Jodeln der Hirten. Da ist dann nicht weit zum JUBILEE, einem religiösen Hymnengesang der farbigen Nordamerikaner oder zur JUBILATION , der jubelnden auf einem Vokal gesungenen Tonfolge im Gregorianischen Choral. Bleibt man beim Jubeln in der Kirche, so ist JUBILATE, der Name des dritten Sonntags nach Ostern. Vielleicht singen Sie aber auch gerne zu Weihnachten in süßem Jubel IN DULCI IUBILO. In diesem Lied sind deutsche und lateinische Wörter vermischt, was lustigerweise im Frühneuhochdeutschen als „Nudelverse“ bezeichnet wurde. Der Fachbegriff für so eine Sprachenvermischung ist Makkaronische Dichtung. Man bleibt also auch fachlich bei der Nudel. Das lateinische MACARONICUS hat einen griechischen Hintergrund: MAKARIA, ein bei Beerdigungen zu Ehren des Toten gegessenes Gerstengericht. Aber unsere beliebten Hörnchen Nudel werden als Makkaroni zur italienischen Nudelspezialität.

Vierzig Jahre sind ins Land gezogen. Im Englischen spricht man dann von ANNIVERSARIES. Ein Bildungsbürger bei uns vielleicht von ANNIVERSAR. Beide kommen vom lateinischen ANNIVERSARIUM und meinen wörtlich, dass sich die Jahre ANNI gewendet VERSI haben. Beim Jahr ANNUS denkt man vielleicht an die ANNUITÄT, die Jahreszahlung, und bei VERSI an die VERSION, eine andere Darstellung. 

VIERZIG verleitet zu einem rechnerischen Ausflug in die Sprachgeschichte

VIER MAL ZEHN

Vier lateinisch QUATTUOR oder der Vierte QUARTUS sind in QUADRAGINTA (40) enthalten. Spielen vier Personen miteinander, ob beim Musizieren oder mit Karten, so haben wir ein QUARTETT. Treffen die Musiker dann vielleicht noch die QUART, sind sie in der vierten Stufe einer diatonischen Tonleiter. Das passiert bei Profis hoffentlich öfter als einmal in einem Vierteljahr, also in einem QUARTAL. Trinkt man nicht regelmäßig, sondern nur in bestimmten Abständen, vielleicht also nur viermal im Jahr, ist man leider ein QUARTALSÄUFER. Ist man bei ansteckenden Krankheiten von der Umgebung zu isolieren, wird man in QUARANTÄNE gesteckt,  wo man im eigentlichen Wortsinn vierzig Tage in diesem QUARTIER bleiben sollten. Bei dieser Einquartierung wird jemand im eigenen QUARTARIUS (Stadtviertel) untergebracht. Aber das erinnert vielleicht an den Ausdruck QUARTÄR, viertrangig, oder an das gleichlautende QUARTÄR,  die erdgeschichtliche Formation. Sind sie englischsprachig angehaucht, ist für sie QUARTER eine Maßeinheit oder sie denken sportlich an den QUARTERBACK, den Spielmacher beim American Football.

 Aber VIER MAL ZEHN ist unsere Rechnung.

Lateinisch heißt ZEHN DECEM. Da denkt man sofort mathematisch an das Rechnen mit DEZIMALZAHLEN oder an das DEZIMALSYSTEM, das Zehnersystem oder an DEZIMETER, den 10. Teil eines Meters.

Das DEZENNIUM bezeichnet richtig den Zeitraum von 10 Jahren. Der DEZEMBER hingegen ist streng sprachlich genommen der zehnte Monat des Jahres. Nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch viele andere Sprachen haben diese Bezeichnung übernommen und denken sich nicht viel dabei. z. B. December (englisch, dänisch, niederländisch),décembre (französisch), dicembre (italienisch), diciembre (spanisch). Wie selbstverständlich nennen wir den zwölften Monat im Jahr den Zehnten. Im antiken Rom begann das Jahr mit dem Monat März; daher stimmten die Bezeichnungen September (7.Monat), Oktober (8. Monat), November (9. Monat) und Dezember (10. Monat).

Einen eher grausigen Hintergrund hat die DEZIMIERUNG. Beim DEZIMIEREN wurde im römischen Heer willkürlich jeder zehnte Soldat herausgeholt und als Bestrafung getötet. 

VIER (IV) UND ZEHN (X)

IN RÖMISCHEN ZAHLEN

Die Zeichen I, V und X sind Fingerzeichen.

I           ist ein in die Höhe gestreckter Finger

V          sind die  fünf Finger einer Hand mit abgespreiztem Daumen

X          ist die "Verdoppelung" von V

Die Zahl 4 wird IV dargestellt, also 1 vor 5.

Wenn man beim V die Striche nach unten verlängert, entsteht ein X, sodass man schriftliche Rechnungen leicht manipulieren konnte. Von dieser Mogelmöglichkeit kommt unsere Redewendung „jemandem ein X für ein U vormachen“, U und V wurden nämlich  ursprünglich gleich geschrieben. 

 

Verborgenes entdecken!

Da die römischen Zahlzeichen Buchstaben sind, kann man in sogenannten CHRONOGRAMMEN  interessante Verknüpfungen zwischen Schrift und Zahlenwerten herstellen.

I

V

X

L

C

D

M

1

5

10

50

100

500

1000

 

Cäsars berühmter Ausspruch VENI, VIDI, VICI – ich kam, sah und siegte – verbirgt als Chronogramm die Zahl 130.

Welche Zahl ist im Titel „EIN DIENER ZWEIER HERREN“ verborgen?

solutio/ Lösung 503

Finden Sie die Zahl 1151 in JÖRG SCHLAMINGER?

solutio/ Lösung JÖRG SCHLAMINGER?

Die Komödie trägt den Titel „Der Diener zweier Herren“. Somit ist auch die Zahl ZWEI von Interesse.

Zwei oder lateinisch DUO ist auch in unserer Sprache ein oft verwendetes Wort. Das DUO kommt auch im DUETT vor und etwas verborgen im DUELL. Wenn sich zwei DUELLANTEN DUELLIEREN, tragen sie einen Zweikampf (DUO 2 und BELLUM Krieg) aus.

Eine andere zweite Möglichkeit bezeichnen wir als ALTERNATIVE. Dahinter steht das lateinische ALTER (das andere von zwei). Wir können uns mit diesem lateinischen Grundwort ALTERIEREN; also etwas abändern oder in der ALTERNATIVEN Bedeutung uns auch aufregen. Beim ALTERNIEREN wechseln wir ab und begeben uns in einen Wechsel, die ALTERNATION.

 Dazu passt noch ein wenig MATHEMATIKERLATEIN

Wer rechnen kann, kann auch Latein:

 Wenn man Zahlen ADDIERT, gibt man im eigentlichen Sinn des Wortes Zahlen dazu (AD – dazu; DARE - geben). Dabei verwendet man das lateinische Wort PLUS (mehr). Das Ergebnis der Rechnung schreibt man als SUMME unter dem Strich hin, daher gibt es die Redewendung „unterm Strich“!

Die SUMME ist natürlich auch lateinisch und bedeutet das OBERSTE; die Römer schrieben beim Addieren die Summe als oberstes hin, nicht wie wir ganz unten.

10

10

10

10

40

unter dem Strich

 

SUMME

XXXX

X

X

X

X

 

 

 Beim SUBTRAHIEREN wird etwas herunter (SUB – unter; TRAHERE - ziehen) gezogen und das Zeichen dafür ist das  lateinische MINUS (weniger):

Beim MULTIPLIZIEREN werden wörtlich MULTI (viele) gemacht und beim DIVIDIEREN wird geteilt (DIVIDERE: trennen, teilen).

Das alles kann im Kopf oder mit der Hand gemacht werden, vielleicht benutzen Sie aber auch einen RECHNER (lat. COMPUTER), da wir in einer DIGITALISIERTEN Welt leben. DIGITAL kommt vom lateinischen Wort für Finger DIGITUS und das verbindet uns wieder mit der römischen Zahlenwelt. 

DER DIENER ZWEIER HERREN

 Der Titel der Komödie fordert zu einem sprachlichen Ausflug in die Antike heraus. Der Herr oder besser der Hausherr ist der lateinische DOMINUS; sein weibliches Gegenstück ist die DOMINA, also die HAUSHERRIN; in unserem momentanen sprachlichen Umfeld wird vor allem die DOMINA als im wahrsten Sinne des Wortes als DOMINANT gesehen. Ihre DOMÄNE ist nicht mehr das eigene Haus (DOMUS). Sie ist die DOMINIERENDE über ihre Kunden, die sich ihr ausliefern und unterwerfen. Sie spielt also gekonnt ihre DOMINANZ aus.

 Ohne zweideutigen Hintergrund sind der DOM, das Gotteshaus, und das DOMIZIL, der Wohnsitz. Gewöhnt man jemanden oder etwas freiwillig oder unfreiwillig an das Haus, so arbeitet man beim DOMESTIZIEREN an einer gelungenen DOMESTIKATION. Der Schritt zum DOMPTEUR oder zur DOMPTEUSE ist dann nicht mehr weit.

 Aber zurück zum Herrn bzw. zum DOMINUS. Wer denkt da nicht an seine Kinderzeit zurück und an das DOMINOSPIEL. Woher das Spiel zu uns kam, ist nicht gesichert, aber dass Marco Polo mit dem Import der Steine aus dem chinesischen Raum zu tun hat, wird vermutet.

Der lateinische Siegesruf eines mit Hingabe und Leidenschaft spielenden Abtes könnte mit der Namensgebung zu tun haben: BENEDICAMUS DOMINO - Lasst uns Gott preisen!

Aber auch der DOMINO, der etwa wadenlange, schwarze, meist seidener Umhang ohne Ärmel und mit Kapuze, könnte hinter der Bezeichnung stecken. Der Domino gehörte

ursprünglich zur Kleidung von Geistlichen in Italien. Ab dem 16. Jahrhundert war er zum Tarnen und Täuschen sehr beliebt, wenn man heimlich zum Rendezvous ging. Der DOMINO war dann entweder das Kleidungsstück oder sein Träger.

 Aber zurück zu den DOMINOSTEINEN, die nicht nur als Spielsteine beliebt sind, sondern vor allem in der Weihnachtszeit als Süßigkeit. Diese Steine haben über einem Boden aus Lebkuchen eine Schicht Sauerkirsch- oder Aprikosengelee und eine Schicht Marzipan oder Persipan. Überzogen sind die Dominosteine mit einer dünnen Schicht dunkler oder heller Schokolade. Der Erfinder dieser Köstlichkeit war 1936 ein Dresdener Chocolatier. Während des Zweiten Weltkrieges machte der Dominostein als "Notpraline" Karriere.

Wo ein Herr ist, ist auch ein Untergebener, einer, der dienen und folgen muss. Auch da kann das Wort DOMINUS punkten, wenn auch mit einem eher veralteten Ausdruck für den Dienstboten. Der DOMESTIK oder die DOMESTIKEN sind wörtlich Menschen, die zum DOMUS (Haus) gehören und den Hausherrn unterstützen. Daher ist heute im Radsport ein DOMESTIK ein Rennfahrer, der hauptsächlich dazu da ist, den Mannschaftskapitän zu unterstützen.

 Unser HERR ist ein althochdeutsches Wort, das ursprünglich einen Höhergestellten bezeichnete. In der HERRSCHAFT und im HERRSCHEN oder im HERRISCHSEIN ist das noch gut ersichtlich.

Der DIENER ist in der Komödie eine traditionelle Figur. Er kann ein tölpelhafter Naivling, ein schlauer Intrigant oder der Gegenpart seines Herrn sein. Damit entspricht er der antiken Tradition des schlauen Sklaven, des SERVUS. Dieser SERVUS ist bei uns als Gruß noch sehr verbreitet, wenn auch oft nur mehr in der Abkürzung SERS!

  Renate Glas

 

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